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14.04.1803 ein alter Mann wird in Begleitung mehrer Polizisten das Irrenhaus Charenton- Saint- Maurice in Paris überführt.
Passanten, Ärzte und Patienten tuscheln über die dickliche Gestalt die unter großen Sicherheitsvorkehrungen schließlich in eine geräumige Zelle geführt wird.

Dieser Mann ist der berüchtigte Marquis de Sade, der die Anstalt bis zu seinem Tod am 2.12.1884 nicht mehr verlassen wird.
Sein Ruf, seine Schriften und wahrscheinlich auch ein Befehl Napoleon Bonapartes und der Einfluss seiner Familie nahmen ihm die Freiheit.
Auf meiner Recherchereise auf den Spuren des Marquis besuchten wir natürlich auch den Ort, in dem er 13 Jahre lebend begraben wurde.
Hier entstanden auch viele seiner Schriften, die er mit wechselndem Erfolg versuchte rauszuschmuggeln. Einige Male wurde seine Zelle untersucht und obszöne Schriften beschlagnahmt.

Das Charenton wurde 1641 erbaut und als Krankenhaus benützt. Bald beherbergte es die Reichen und Privilegierten und das Charenton konnte auf größere Einnahmen zurückblicken. Schon damals war das Gebäude ein Prunkstück. Im 17. Jahrhundert wurden erstmalig psychisch Kranke Männer aufgenommen und das Charenton vergrößerte sich zunehmend.
Ab 1720 und verstärkt unter Ludwig dem XVI. wurden zum unliebsame Bürger mit geheimen Haftbefehl auf unbestimmte Zeit in Charenton weggesperrt.
1792 nach der Französischen Revolution wurde die Anstalt geschlossen.
1795 wurde es zum Gefängnis umgebaut.
1797 wurde es wieder ein Irrenanstalt.

1803-1813 De Sade leitete Theatervorstellungen in der Anstalt. Patienten waren die Schauspieler und die namhaften Gäste kamen von weit her um sich dieses Schauspiel anzuschauen. Sein Buch „Die Marquise de Grange“ entsteht. Auch seine letzte Affaire hatte er in dieser Anstalt. Ein 16 jähriges Mädchen namens Madelaine Leclerc, die er in die körperliche Liebe einführt. Ein letztes Mal ist er der „Verführer“. 1814 wurde De Sade hinfällig und bettlägerig.
Am 02.12.1814 stirbt de Sades. Der Atheist wird auf dem nahen Anstaltsfriedhof nach katholischem Ritus beigesetzt! Einige Jahre später wird die Anstalt erweitert und der Friedhof aufgegraben. Der Schädel wird entnommen (Heute existiert nur noch ein Abguss).

1838 wird das komplette Gebäude umgebaut und erweitert. Doch finanzielle Probleme verzögern die Fertigstellung bis 1886.
1929 wird es eine Klinik für Frauen.
Heute ist das Charenton unter dem Namen Esquirol Hospital ein öffentliches Krankenhaus und ist als Kulturdenkmal eingestuft. Einige Teile des Hospitals sind noch so erhalten wie damals als der Marquis de Sade dort „Gast“ war.

Buchtip:
„Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“
von Peter Weiss