Die älteste und nach Paris und Lyon drittgrößte französische Stadt, hat eine über 2.000 Jahre währende wechselhafte Geschichte hinter sich, was man auch im Stadtbild erkennen kann. Die Römer prägten das Stadtbild genauso wie viele andere Volksstämme. Die Stadt ist auch Namensgeber der Französischen Nationalhymne.
Die "Marseillaise", wurde von Claude-Joseph Rouget de Lisle, Kapitän des in Strassburg kasernierten Ingenieur Korps, in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1792 komponiert und getextet. Die Truppen aus Marseille übernahmen es als Marschlied; sie sangen es als sie am 30. Juli 1792 in Paris einmarschierten und die Pariser gaben dem Marsch den Titel Marseillaise.
Mit seinen über 20 Museen hat Marseille kulturell viel zu bieten. Sehenswert sind neben La Bourse (Börse), die Kirche Notre-Dame-de-la-Garde, das Palais Longchamp, der alte Hafen sowie der Parc du Pharo mit dem Schloss der Kaiserin Eugénie, in dem heute Freilichtspiele stattfinden.
Unsere Reise führte uns nach Marseille, da der Marquis de Sade einige seiner Orgien in der Stadt an der Rhonemündung feierte.
Am 27. Juni 1772 hielt er sich mit seinem Diener in Marseille auf und beauftragte Latour einen orgiastischen Abend zu organisieren. Er wohnte zu diesem Zeitpunkt in einem Hotel im Hafenviertel. Latour sprach eine junge Prostituierte an und diese versprach für den Abend drei weitere Mädchen zu besorgen. Das Treffen sollte in der Rue de Capucin Ecke Rue d’Aubagne stattfinden.
Dieser Abend wird als „Kantharidin-Affäre„ in die Geschichte eingehen.
Am Abend traf mach sich also und nachdem man sich finanziell einig wurde, bot der Marquis den Damen Pralinen an, die er heimlich mit dem Aphrodisiakum Kantharidin versetzt hatte. Kantharidin war seit Urzeiten als Lustmacher bekannt. Bei uns nennt man es auch „Spanische Fliege“. Der Marquis hatte es mit Anis vermengt um den Geschmack zu verbessern. Danach peitschte er sie aus, ließ sich selber mit Reisigbesen schlagen und praktizierte wechselseitige Onanie sowie Analverkehr. Es kam auch zu homosexuellen Handlungen des Marquis an seinem Diener. Eine der Prostituierten wurde es durch den Genuss der jedoch Pralinen schlecht und sie erkrankte mit Vergiftungserscheinungen. Offensichtlich hatte sich der Marquis in der Dosierung vertan. Als auch noch eine weitere Hure erkrankte, klagten sie de Sade wegen versuchter Vergiftung an. Diese Anklage weitete sich rasch zum Skandal aus und wurde zudem noch kräftig aufgebauscht. Gerüchte über einen Berg von Leichen und geschändeter Frauen machten die Runde und die Bevölkerung wurde unruhig. Der Marquis musste mit seinem Diener nach Italien fliehen und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Man verbrannte statt seiner eine Puppe und hoffte ihn irgendwann zu fassen.
Das Urteil wurde später nach Intervention seiner Familie aufgehoben. Trotzdem sperrte man ihn nach seiner Rückkehr auf Betreiben seiner Familie ein. Die Familienehre stand auf dem Spiel.
Auf seiner Flucht nach Italien wurde er von seiner Schwägerin begleitet, mit der er seit Jahren ein intimes Verhältnis hatte.
Das Haus in der Rue de Capucin existiert immer noch in der Altstadt von Marseille, ganz in der Nähe des Hafens. Ein buntes multikulturelles Treiben mit vielen Straßenhändlern in den engen Gassen versprüht immer noch den Charme des „alten“ Marseilles.
Marseille selbst ist ein riesiger Moloch in dem viel Armut herrscht. Kinder verdingen sich als Autoscheibenreiniger an den Straßenkreuzungen und nützen die Rotphasen der Signalanlagen um sich einige Cents zu verdienen. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch und sein Auto stellt man am besten in gesicherten (und teuren) Tiefgaragen ab.
Trotzdem lohnt sich ein Besuch der Stadt um am Hafen zu flanieren und die schönen Kirchen zu bewundern. De Sade würde Marseille aber nie wieder sehen.
Hiermit endet unsere Reise auf den Spuren des Marquis de Sade.
Der Tatort: Rue de Capucin Ecke Rue d’Aubagne


