Rezension zum Film
Wir haben den Film bereits vor einigen Wochen in einer privaten Vorführung sehen können.. und unsere Reaktion war zwiespältig.
Der Inhalt ist schnell erzählt und wir nützen daher die Inhaltsangabe des Regiesseurs:
Die wohlbehütet aufgewachsene Hotelierstochter Eva lernt bei einer Motorradpanne die Domina Lady Maria (Mira Gittner) kennen und stellt fest, dass ihr in ihrem Leben etwas fehlt. In ihrer heilen Welt gibt es alles, außer Sex, Lust und Erotik. Mit Marias Hilfe macht sie sich auf die Suche nach ihrer erotischen Identität. Eine Suche, die sie an jene (Un-)Orte führt, von denen alle so tun, als ob sie nicht existierten, und die es doch in jeder Stadt gibt:
SM-Studio, Swingerclub, Stripteasebar. Und eine Suche, die sie in Konflikt mit der Normierung und Doppelmoral der Gesellschaft bringt.
Der Film zeigt intensive, wuchtige Bilder mit einer guten Kameraarbeit und Schauspielern, denen man anmerkt, dass sie etwas von Schauspielerei verstehen.
Die Charaktere von Eva (Marina Anna Eich) und Lady Maria (Mira Gittner) sind authentisch dargestellt. Man nimmt Lady Maria die Domina ab... es hat sich gelohnt, dass sie einige Tage in einem Dominastudio ein Praktikum absolviert hat.
Es ist aber kein Film über SM, sondern ein Film, der zu Teilen in einem Dominastudio und einem Swingerclub spielt.
Somit wird SM auch weitegehend nicht bewertend gezeigt. Nur ganz am Schluß, als Eva emotional ins Trudeln gerät wird eine Verknüpfung zwischen Prostitution/SM/Strpitease und ihrer schwierigen Situation erkennbar.
Das gefallene Mädchen eben...
Viel stärker nimmt der Film die Kirche ins Visier. Man spürt in jeder Szene die Auseinandersetznung mit Moral und Ethik.. und der Einschränkung, die jeder Einzelne dieser Gesellschaft durch die selbsternannten Moralhüter erfährt... seien es die Eltern, Freunde oder eben die Kirche.
Schon die Namensgebung der Protagonisten stellt den Link zu diesen Moralinstanzen her.
Was ist unnormal, was ist pervers? Diese Fragestellung steht permanent im Raum, ohne wirklich eine absolute Antwort zu erhalten.
Außer vielleicht die, dass wir als Individuen eben nicht über eine Gemeinschaftsmoral definierbar sind.
Besonders drastisch wird dies gezeigt, beim Nachempfinden der Leiden Christi durch Dominik (Christoph Baumann) einen Gast von Lady Maria.
Lady Maria als Satan:„Was suchst du, einsamer Wanderer, in dieser Wüste, die wir Leben nennen?“
Dominik: „Ich bin auf der Suche nach der Liebe.“
Lady Maria: “Wenn sie nicht in dir ist, wirst du sie niemals finden.“
Dominik:“ Und wie finde ich die Liebe in mir?“
Lady Maria:“ Indem du dich ihr ganz hingibst, in all ihrer Lust und in all ihrem Schmerz.“
Dominik:“ Die Liebe kennt keinen Schmerz.“
Lady Maria: „Die Liebe ist Schmerz. Sie ist Verzückung und Qual in einem. Und doch ist sie die Kraft, die uns am Leben hält.“
Besonders berührt hat mich die Geschichte der männlichen Hauszofe Elfriede (spielt sich selbst), die in einer Nebensequenz über seine fürchterlichen Erlebnisse während des Weltkriegs berichtet. Inhaltlich eigentlich völlig deplaziert, zeigt diese Sequenz aber die unheimliche Menschlichkeit und Tiefe, einer bis dahin eher skurilen Nebenfigur des Filmes.
Diese Sequenz alleine wäre schon ein gutes Motiv für einen eigenen Kurzfilm.
Dann gibt es noch Mike, der Eva als "Reiseleiter" durch die Welt der Erotik begleitet, sich in sie verliebt und daran scheitert. Mike wurde durch einen Laien gespielt... einem Swingerclubbesitzer. Natürlich merkt man ihm an, dass er kein Schauspieler ist. Trotzdem finde ich, dass er (der sich quasi auch selbst spielt) ein authentisches Bild abgegeben hat.
Ist der Film nun gut?
Schwierige Frage. Ich finde er ist absolut sehenswert, weil er in wuchtigen Bildern die Doppelmoral dieser Gesellschaft kritisiert. Diese Stärke ist aber auch gleichzeitig seine größte Schwäche. Mich hat die Wucht zum Ende hin erschlagen, vielleicht auch deshalb, weil es in der letzten Viertelstunde zwei weitere Stellen gibt, an denen der Film eigentlich hätte zu Ende sein können.
Kirchengänger würde ich diesen Film nicht empfehlen wollen. Dafür spielt er zu stark mit der christlichen Symbolik... Nach der Vorstellung auf den Hofer Filmtagen kam daher auch sofort eine harsche Reaktion aus Bayern... wen wunderts.
Wir sind eben doch nicht alle Papst.
Andreas
Die aktuelle Kinoliste findet ihr unter www.wtpfilm.de bzw www.24-7derfilm.de
"SCHLAGZEILEN" sah den Film und schrieb:
24/7 - The Passion of Life
"Der wohl erste deutsche Spielfilm, der sich die Mühe macht SM so zu zeigen, wie es ist. Wobei es allerdings allerdings kein reiner SM-Film ist. Sondern ein Film über den Umgang der Gesellschaft mit Sexualität an sich. Ein Film über Religion und Doppelmoral.
Die wohlbehütet aufgewachsene Hotelierstochter Eva lernt bei einer Motorradpanne die Domina Lady Maria kennen und stellt fest, dass ihr in ihrem Leben etwas fehlt. In ihrer heilen Welt gibt es alles, außer Sex, Lust und Erotik. Mit Marias Hilfe macht sie sich auf die Suche nach ihrer erotischen Identität. Eine Suche, die sie an jene (Un-)Orte führt, von denen alle so tun, als ob sie nicht existierten, und die es doch in jeder Stadt gibt:
SM-Studio, Swingerclub, Stripteasebar. Und eine Suche, die sie in Konflikt mit der Normierung und Doppelmoral der Gesellschaft bringt.
Dabei wird SM nicht als etwas außerhalb Stehendes, Perverses dargestellt, sondern als natürlicher Teil des Spektrums der Sexualität.
Dass SM dabei so authentisch und natürlich dargestellt wird, liegt daran, dass das Filmteam im Vorfeld massiv gut recherchiert hat. Dabei haben sie nicht nur gelesen und Leute befragt, sondern auch ausprobiert. So hat beispielsweise Mira Gittner, die die Domina Maria spielt, vorher eine halbe Woche lang im SM-Studio als Zweitdomina in Sessions assistiert. Und für bekennende nicht SMer haben sie verdammt viel kapiert.
Vieles im Film wirkt auch deshalb echt, weil es schlicht und ergreifend echt ist. So sind die Nebenrollen weitgehend mit echten SMern, Swingern und Stripperinnen besetzt, die sich einfach selber spielen.
Und auch das Studio und der Swingerclub sind echt."
Kommentar des Regisseurs:
"Das Gute an unserem Film ist, dass Lokalitäten wie Swingerclub, SM-Studio und Striptease-Bar in die Film Geschichte integriert werden ohne moralisch zu wirken. Wie oft sieht man im deutschen Fernsehen folgendes: Ein Mord im Swingerclub, der Täter im SM-Studio, etc, etc. Immer negativ behaftet. Wir wollten dieses Thema einmal ganz anders in einem Film darstellen, ohne die Moralkeule zu schwingen. Denn wer seine Sexualität kennt und offen mit ihr umgeht, kennt sich selbst und lässt sich von der Gesellschaft nicht verbiegen.
Wir haben vor den Dreharbeiten monatelang mit Leuten aus der Szene gesprochen, und deren Erfahrungen auch in den Film miteinfließen lassen. Die Realitätsbezogenheit ist uns somit ganz gut geglückt."



