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Der Boom des Blogs ...

Vom Vater der Faulheit bezichtigt, zieht es des Müllers Sohn über Rom und Prag, über Liebeshändel und Intrigen, in die weite Welt, bis er dann doch noch mit seiner angebeteten Aurelie die ersten Knackmandeln in der Heimat teilt.
Joseph Freiherr von Eichendorff entwickelt hier chronologisch das Tagebuch eines intuitiven Taugenichts als Gegenentwurf zu den Zwängen der aufblühenden Industrialisierung.
Das war 1822.
Dieses klassische Diarium in Buchform, zeitlich in seinen Handlungssträngen und Bildern aufeinander folgend, lesen wir auch heute noch gern, wie zum Beispiel Mein Leben im Liegen. Aus dem Tagebuch einer Schlampe von Chelsea Handler.
Daneben aber haben sich im letzten Jahrzehnt andere Arten virtueller Tagebücher entwickelt, zunehmend variierend in Form, Anzahl und Motiven, die sich bereits durch ein prägendes Stilmerkmal vom klassischen Diarium im Regelfall unterscheiden, nämlich durch die umgekehrt chronologische Reihenfolge.
Hier entfaltet sich der Schrecken nicht über die Jahre hinweg nacheinander bis hin zu einem unfassbaren Finale des finstersten Grauens wie im Tagebuch der Anne Frank, sondern die Leser finden den jüngst datierten Eintrag immer zuerst (meistens kann man das aber per Mausklick auch zeitlich umkehren).
Surfen wir ziellos im Internet, springt uns das netzgestützte Logbuch, das Weblog oder kurz Blog genannt, inzwischen als Massenware genauso wie die privaten Homepages zwangsläufig ins Auge.
Der Boom des Blogs führt uns zur Frage nach den Motiven der Autoren, den Bloggern.
Angefangen von narzisstischer Selbstdarstellungssucht, die sich hier preisgünstiger befriedigen lässt als beispielsweise durch ein book on demand, stoßen wir auf Gründe wie Verarbeitung durch therapeutisches Schreiben (Beispiel: Tsunami - Katastrofe), partizipativen Graswurzel-Journalismus, Gegenöffentlichkeit oder auch Multimomentaufnahmen eines bestimmten Zeitgeistes verbunden mit einem bestimmten Thema und erfasst von einer bestimmten Person.

Unser virtuelles Tagebuch hier bei Nachtwaertz wird keines der allzu üblichen Art sein, sondern bisweilen aus weiblicher-, männlicher- und auch aus gemeinsamer Sicht immer wieder Schlaglichter werfen auf Dominanz und Submission in der Erotik, Merkwürdiges und Bedenkenswertes darin antippen, Fragwürdiges um- und einkreisen und zuweilen auch unsere eigenen sinnlichen Passionen und Obsessionen beschreiben.

Zur Biografie Domsequents gehört SM/Ds seit mindestens drei Jahrzehnten, und er denkt gern darüber nach, ob sich in dieser Zeit unter den Gesichtspunkten der gesellschaftlichen Legitimität und der rechtlichen Legalität von SM/Ds eigentlich Wesentliches fortentwickelt hat.
Auf der Habenseite ließe sich wohl buchen, wie sehr sich die Kontakt – und Kommunikationsmöglichkeiten verändert haben, wie sukzessive eine Szene entstanden ist, die nicht mehr das Flair des speak easy der Prohibitionszeit auszeichnet.

Domsequent ist 57, kommt aus Hamburg, hat eine zeitlang als Passiver eine dominante Partnerin gehabt und lebt mit seiner submissiven Gefährtin seit fast vier Jahren zusammen.
Er versteht sich nicht als Switcher, kennt aber aus vergangenen Tagen eben beide Seiten der Medaille.
Zukünftige Beiträge und Gedankensplitter in diesem Blog möchten SM/DS im Zeitlauf differenzieren, im Zeitgeist akzentuieren, kleine Geschichten aus unserer Welt gemeinsamer Erfahrungen, Vorlieben und Wünschen beitragen, und zuweilen wohl auch polarisieren, ja sogar provozieren.
Sie werden sicherlich nicht immer punktgenau oder gar weise sein, aber hoffentlich lesenswert.

Viel Vergnügen!

domsequent (Fabian)

Kontakt: domsequent@email.de

01.09.06

Domsequent's Tagebuch

Samstag, 24. April 2010 - 16:34 Uhr
Master Wrong



Du bist jung. Du bist neugierig. Du bist pünktlich. Und du bist nervös.
Das ist gut so.
In wenigen Stunden wird das alles ganz anders geworden sein.
Es war dein Vorschlag, mich in diesem Café zu treffen. Du hättest darauf verzichten sollen.
Ich spule den üblichen Film ab. Dominanz verlange Erfahrung und Verantwortung, die devote Lust dagegen Vertrauen und Gehorsam. Ich hebe die Hände und öffne sie vor deinen Augen. Ich denke, du hältst das für eine bedeutungsvolle Geste.
Was für eine Bullenscheisse.
Du nickst verständnisvoll.
Na also.

„Warum möchte ich das so sehr, Richard?“
Eine kleine Getriebene, die nur weichen Sand statt festen Boden unter sich spürt.
Ich mag das und finde, Richard klingt ernsthaft. Richard Löwenherz oder so. Den hält sie wahrscheinlich für einen edlen Kreuzritter, obwohl er nur ein Menschenschlächter gewesen ist.

Du rührst den imaginär gewordenen Kandis in deinem Tee immer wieder um. Das Getränk ist inzwischen kalt, und du umfasst das Glas, als könne es noch deine Hände wärmen.
Weil du diffus geil bist und nicht genau weißt warum, denke ich, sehe dich lange und bedeutungsvoll an und antworte mit einem Höchstmaß an Empathie:
„Weil es deine Natur ist, Marie. Niemand kann aus der eigenen Haut und aus dem eigenen Herzen schon gar nicht.“
Ich finde das klingt gut. Sie hat noch kein Empfinden für platte Scheiße.
„Ich will es so sehr, aber ich wagte es bisher nicht.“ Du klingst wie im Beichtstuhl.
„Wege sind vorgezeichnet. Geht man sie nicht, verliert man sich selbst, Marie“.
Deine Hände lösen sich vom Teeglas und umfassen meine. Du nimmst jede abgenutzte Worthülse als die Weisheit des Älteren.
Wie kann man so arglos sein, Marie?

Die Fahrt im Auto mit verbundenen Augen gefällt ihr. Meine Stimme ist ruhig. Ich bin ihr Fels in fremder Brandung.

Später im Club. Ich habe den oberen Raum gemietet und mit der Eigentümerin verabredet, nicht durch andere Gäste gestört zu werden.
Marie stellt ihr Sektglas auf die Tresenkante, als ich zu ihr sage, dass wir jetzt in ein anderes Zimmer gehen werden, und es fällt klirrend vor die Bar. Ich befehle Marie vor mir die Treppe hochzugehen. Sie blickt mich lange an. Ich lächele und nicke.
„Nun mach schon,“ sage ich. Das klappt.

Die Standardkiste.
Sie sieht ein Andreaskreuz und eine Streckbank wohl zum ersten Mal. Ich lasse die Gerätschaften etwas auf sie wirken, hebe dann mit meinen Fingerspitzen ihr Kinn und sehe ihr ernst in die Augen:
„Hast du dich an meine Kleiderordnung gehalten?“
„Ja, Herr,“ wispert sie.
Ich habe ihr gar nicht vorgegeben, mich Herr zu nennen. Um so besser. Es wird einfach werden.

Die Bluse aus.
Sie gehorcht.
Den Rock aus.
Sie gehorcht.
Ich küsse sie zärtlich und ziehe sie an ihrem langen Haarschopf durch Raum, um sie bäuchlings über den ledernen schweren Bock zu zerren. Sie zetert leise, mit zitternder Stimme. Lustangst. Alles ist so neu. Mund auf, die Beine spreizen. Ich flüstere ihr ein paar schlüpfrige Komplimente ins Ohr. Meine Fingerkuppen malen kleine Kreise auf ihrem Rücken. Tiefer. Sie ist nass. Immer dasselbe. Mich ödet das nur noch an.

Sie atmet flach und sagt nichts. Vier Manschetten, vier Karabinerhaken, sie ist fixiert.

„Hast du eigentlich ein Cover? Schließlich ist es unser erstes Mal.“

„Nein, Herr. Ich will dir doch vertrauen.“

„Das ist gut,“ sage ich, küsse sie zart und verlasse leise den Raum.

Als ich wieder unten in den Barbereich komme, ist der Anonyme wie verabredet da. Er reicht mir den Briefumschlag und verschwindet in Richtung Treppe. Ich prüfe den Inhalt und nehme einige hundert Euro für die Clubdame aus dem Kuvert.

Sie zählt flink die Scheine, ohne mich anzusehen.
„Du hast sie mit Augenbinde hier her gebracht. Wie lange davor hat sie die schon getragen?“

„Während der ganzen Fahrt. Sie hat keine Ahnung, wo sie ist. Es ist mit dem Typen verabredet, dass er wieder die Augen verbindet, sie in seinem Wagen irgendwo hinkarrt und irgendwo aussetzt.

„Egal, in welchem Zustand? Ich will keinen Ärger;“ sagt die Besitzerin.

„Ich auch nicht. Bis zum nächsten Mal.“






Samstag, 5. Dezember 2009 - 20:44 Uhr
Blauer Engel

Natürlich konnte er es nicht wissen, und sie nahm sich vor, es ihm auch nicht zu sagen.

In den langen Pausen, bis endlich einmal wieder ihr Kundentelefon klingelte und ein potenzieller oder ihr bereits bekannter Freier nach ihren Diensten verlangte, saß sie häufig vor dem Bildschirm und vertrieb sich die Zeit bei Ebay, Google oder Twitter, aber auch in Foren und Chats. Manchmal war das sogar für das Geschäft gut, weil sich berufliche Kontakte ergaben, auch wenn es ihr dort eigentlich wichtiger war, im Web die Zeiten von einem Besucher bis zum nächsten totzuschlagen.

Das Bordell, in dem sie arbeitete, gehörte noch zu den klassischen Rotlichthäusern und erzielte seine Umsätze nicht mit flat-rate-ficken und sah aus wie die alten Häuser in St. Georg eben aussahen, grau, alt, herunter gekommen.

Hier in der Bremer Reihe war der Stadtteil nicht ganz so schmuddelig wie auf der nahen kleinen Meile, dem Steindamm, der ganz andere Menschen anzog wie die große Meile am Hafen, der Reeperbahn, mit all ihren Touristenschwärmen und all ihren Vorstellungen von Freiheit, die es dort wohl gegeben haben mochte, aber nicht da, wo die zugereiste Sensationslust flanierte.

Er war ihr in einem Form durch seine klugen Kommentare aufgefallen und durch seine unaufdringliche Art. Kein Marktschreier, offensichtlich such kein Chat-Heroe und Daytime-Looser wie die meisten Männer dort, die zweifellos ihre reale Erfolglosigkeit mit virtuellen Ammenmärchen und Überhöhungen kompensierten.

Sie sah aus dem Fenster auf den vom Regen schimmernden Asphalt. Sie war hier in St. Georg geboren, groß und auch alt geworden. Hier hatte sie als kleines Mädchen in der Schule gelernt, dass ein Heiliger mit diesem Namen im Mittelalter eine Lepra-Station aufgebaut hatte. Hier stand damals auch der Galgen der Stadt, und der frühe Tod war bis heute nicht ganz aus der Gegend verschwunden, obwohl sich in Straßen wie der Langen Reihe heute eine wohlhabendere Schickimicki-Schwulenszene niedergelassen hatte, also genau dort, wo noch vor einigen Jahren der Hamburger Baby-Strich gewesen war.
Nicht nur bei den Junkie-Kids, die von der Polizei nur vom Hansaplatz vor einigen Jahren um einige hundert Meter weiter weg vertrieben worden waren, sondern auch bei diesen neuen Stadtteilbewohnern gab es den frühen Tod, eher aber durch Lustkrankheiten als durch die Nadel. St. Georg war bis heute kein Platz der Hoffnung und des Lebens geworden, höchstens ein Ort des schnellen intensiven Durchlebens oder des grauen Verlebens der Überlebenden. Zudem lag am Rande des Stadtteils das Allgemeine Krankenhaus St.Georg mit der größten onkologischen Abteilung der Stadt. Auch dort wurde täglich gestorben, in diesem zentralen Siechenhaus Hamburgs. Wenn Politiker und Kulturbeflissene heute St.Georg wegen einiger Restaurants und Shopping-Highlights schön redeten, dann kannten sie eben das wahre alte Gesicht ihrer Heimat nicht.

Die Chats mit ihm und besonders die langen Korrespondenzen mit ihm lenkten sie ab. Nach näherer, aber eben nur virtueller Bekanntschaft, entwickelte sich eine besondere Vertrautheit zwischen ihnen. Sie tauschten ihre Gedanken bis tief in die Nacht aus. Es war immer unterhaltsam, spannend und vieles auch ganz neu für sie. Gleich, ob sie mit ihm über den Unterschied zwischen den orientalischen und asiatischen Weltreligionen plauderte oder über Schuhe von Louboutin. Ein ganz anderer Mann als ihre Freier, obwohl sie die meisten ihrer Stammkunden durchaus respektierte.
Ihren Beruf verschwieg sie ihm, nicht weil sie sich schämte, und ihr Alter verriet sie nicht, weil sie sich schämte. Er war erst 45 Jahre alt und eigentlich viel zu jung für sie.

Irgendwann in diesen langen, meist nächtlichen Gesprächen, führte sie ihr Weg natürlich auch zum Thema Liebe und Erotik. Zwischen den Zeilen las sie bald heraus, dass er durch und durch devot sein musste, auch wenn er bei anderen Themen ganz und gar nicht so wirkte. Trotz seiner offensichtlichen Frauengeschichten wirkte er so einsam wie der letzte Eisbär auf der letzten Eisscholle nach der kommenden Erderwärmung. Nach ihrer Einschätzung konnte er im wirklichen Leben seinen Frauen nichts über seine Neigung verraten, er war in dieser Hinsicht ganz und gar blockiert, wenn man ihn nach seinen realen Erfahrungen hinsichtlich einer sexuellen Unterwerfung oder Hörigkeit fragte.
Sie war kurze Zeit versucht, ihn zu ihrem Freier zu machen. Das wäre sicher gut für beide und für sie kein Problem gewesen, aber dann verwarf sie den Gedanken schnell.
Nachdem sie das Thema öfter gestreift hatten, erlaubte sie ihm aber, sich ganz seinen submissiven Fantasien hinzugeben und es wurde, so wie sie es befürchtet hatte, nun zu ihrem zentralen Gesprächsgegenstand. Sie folgte anfangs nur seinen Gedanken, aber als sie merkte, mit welchem Leidensdruck und welcher Sehnsucht dieser Wunsch nach Sinnlichkeit bei ihm verbunden war, stellte sie sich ganz aktiv darauf ein, auch wenn kein gutes Gefühl dabei hatte, weil sie fürchtete, dass sie sich nun für ihn von einer Gesprächspartnerin in ein Programm verwandeln würde.
Trotz ihres hohen Alters hatte sie immer die Vorstellung erfreut, bei so einem patenten Mann in kurzen Träumen die Frau an seiner Seite und viel mehr sein zu können.

Er hasste die ganze Gegend und das ganze Gesinde hier.

Ein nasskalter Dezemberabend. Der Nebel war vom Nachthimmel bis auf den Steindamm gesackt, so dass der Mann die grelle Beleuchtung der Peepshows und Pornokinos auf der anderen Straßenseite kaum erkennen konnte.

Er hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, um nicht erkannt zu werden. Warum wollte sie ihn ausgerechnet in dieser tristen Gegend voller Geschmacklosigkeiten und voller gestrandeter Gestalten zum ersten Mal sehen?
In einem schmalen vergitterten Hauseingang lag eine verkrümmte Frau mit geöffnetem Mund. Vor ihr Erbrochenes auf dem rissigen Zementfußboden. Neben ihr eine umgefallene, ausgelaufene Flasche Holsten-Bier und eine Spritze. Irgendwann würde sich jemand um sie kümmern, wenn es nicht ohnehin zu spät war.
Als Passanten verhielten sich hier alle so, als habe man nichts gesehen. Man entdeckte Menschen in solchen Situationen einfach zu oft hinter den Straßen des Hauptbahnhofs.

Einige Schritte weiter stadtauswärts blickte er auf die Programmankündigung des Hansa Variete Theater. Eine Pudelpolonaise?
Früher als kleiner Junge hatte er manchmal mit seinem Onkel dieses traditionsreiche Familientheater besuchen dürfen und entsann sich daran, dass ihn schon als Knirps die Damen in den schönen kurzen Kostümen mit ihren langen Beinen und hohen Schuhen wesentlich mehr gereizt hatten als die Artisten, Zauberer und Clowns.

Kurz vorm Pulverteich blieb er an einem grauen verwitterten Haus stehen, um es dann hastig und schnell zu betreten.
Sie hatte den Treffpunkt bestimmt.
Blauer Engel, ein verfallenes Stundenhotel, das besonders gern von Schwulen für eine schnelle Nummer bevorzugt wurde.
Der Mann an der Rezeption trug Turnschuhe und Jeans, überreichte ihm einen Zimmerschlüssel und sagte Kaugummi kauend:
„30 für 30 Minuten, 50 für eine, 80 für zwei Stunden.“

Die Möblierung des Zimmers war karg und schäbig. Auf dem Bett lag ein weißes, abgewetztes, aber gewaschenes Handtuch und auf dem Nachttisch stand eine Flasche Sagrotan-Spray sowie ein kleines Kärtchen aus Pappe mit dem Hinweis:
„Kondome NICHT ins Klo !!!“

Wie per Email verabredet sendete er seiner, ihm persönlich unbekannten Verabredung eine SMS:
„Bin da. Zimmer 14.“
Seine Internetbekanntschaft hatte ihn in den Tagen zuvor und langen Nächten bis zum Morgengrauen immer wieder animiert, ihr seine Wünsche und Fantasien mitzuteilen. Sie hatte virtuelle Verhöre mit ihm durchgeführt, auf eine für ihn unglaublich reizvolle Art.
Nach vielen Chats und Mails hatte er es gewagt, sie um ein Treffen zu bitten. Sie willigte ein. Es werde wohl so kommen, wie er es sich wünsche, jedoch werde ausschließlich sie die Umstände ihrer Zusammenkunft bestimmen.
Sein Handy summte, und er las:
„Ausziehen. Leg dich aufs Bett.“

Wenige Minuten später betrat sie das Zimmer und verschloss die Tür hinter sich. Seinen kurzen Gruß beantwortete sie nicht. Sie trug einen dunkelblauen Ledermantel, dazu einen Hut mit breiter Krempe aus dem gleichen Material und eine dünne Stoffmaske, ebenfalls in ultramarinem Farbton.
Er konnte lediglich ihre hellen Augen und ihren Mund erkennen, die Gesichtszüge blieben ihm verborgen.

Sie stand vor dem Bett, schlug den Mantel zurück, stellte ihr rechtes Bein auf das Bett und befahl ihm, sich soweit er konnte zu spreizen. Dann schob sie die Schuhspitze unter seine Hoden.
„Du hast wenigstens nicht gelogen. Du bist ein ansehnlicher Mann. Wird das Ding da auch steif?“
Ohne ihre Stellung zu verändern, zog sie ihren Mantel aus und ließ ihn auf den Boden fallen. Sie war nackt, etwas korpulent, aber weiblich und nicht grob stämmig. Nackt, bis auf die stark glänzenden halterlosen Strümpfe, wiederum in der dunkelblauen Farbe ihres Mantels.
Vermutlich parkte sie in der Nähe des Stundenhotels, denn bei der Witterung hätte sie in dieser Aufmachung keine weiten Wege gehen können.
Sie schwieg, und er verspürte eine schnell zunehmende, intensive Erektion.

Dann zog sie langsam ihre Strümpfe aus und befahl ihm den Mund zu öffnen:
„Stopf dir zuerst einen in den Mund und zieh dir den anderen über den Kopf.“
Als er den zweiten Strumpf über seinen Kopf ziehen wollte, unterbrach sie ihn.
„Du musst das langsamer machen, sonst liegen deine Ohren nicht an. Und lass die Augen weit auf, sonst presst das Nylon deine Wimpern zu. Du sollst mich sehen können.“
Ihre Schuhspitze drückte sich leicht, aber deutlich spürbar in den Damm unterhalb seiner Hoden.
Er nickte und gehorchte.
Sie beobachtete ihn lange, ohne mit ihm ein Wort zu wechseln. Er musterte fast zwanghaft ihren Körper und zwang sich, ruhig weiter zu atmen. als sie ganz langsam und sacht ihre Hand auf ihre rasierte Scham legte und noch einigen Minuten begann, mit den Fingerkuppen ihren Lustpunkt einkreisen. Er starrte sie an.

Sie versuchte, sich und ihm Zeit zu lassen, verlor aber allmählich und schließlich abrupt die Kontrolle über sich. Ihre Augen glänzten und weiteten sich etwas. Dann schloss sie ihre Wimpern.
Ihre Bewegungen wurden schnell, und sie presste ihr Becken gegen ihre Hand. Sie stöhnte, lange und leise. Ihr Kopf streckte sich im Orgasmus weit nach hinten und sie spürte nicht, wie ihr Lederhut auf den Boden fiel.

Auch danach redeten sie eine längere Zeit nicht. Sie versuchte zu begreifen, was geschehen war. Natürlich hatte sie ihn erregen wollen. Aber nicht sich.
Ein eigener Höhepunkt hatte vor diesem Treffen außerhalb aller ihrer Vorstellungen gelegen.
Der Mann war kein Freier, sondern ein Mann. Er würde sie nicht weinen sehen.
Sie war einfach zu alt für ihn und nicht nur das.

Schließlich setzte sie sich später auf die Bettkante zu ihm, griff zu ihrer Handtasche, um einen Kamm heraus zu holen. Nachdem sie ihre Haare geordnet hatte, hob sie ihren Mantel vom Fußboden hoch und zog ihn an. Dann beugte sie sich über seinen Schwanz und nahm ihn langsam und tief in ihrem weichen Mund auf, leider nur für einen Moment, um sich danach wieder aufzurichten.
"Zieh dir meine schönen Nylons vom Gesicht und nimm sie aus dem Mund, du abartiger Mann! Hoffentlich sind sie nun nicht kaputt. Du bist wirklich ein perverser Mensch. Wie lange hast du das Zimmer gemietet?“
Er folgte ihrer Anweisung, fast verzagt, aber doch hingerissen von dieser wunderbaren Frau und sagte leise:
„Für zwei Stunden.“
„Na, dann hast du ja noch viel Zeit, um dich hier alleine weiter mit dir zu beschäftigen. Ich lasse dir meine Strümpfe da. Vielleicht hörst du wieder von mir.“
Sie erhob sich und wendete sich zur Tür.
„Wie soll ich dich eigentlich anreden?“, fragte er, beschämt, aber erregt.
„Du meinst, wie du mich anreden darfst, falls wir noch einmal voneinander hören?“
Eine plötzliche Angst, sie nach diesem ersten Mal, nicht wieder sehen zu dürfen, drückte wie ein schwerer Stein auf seine Brust.
Sie zog einen Notizblock aus der Manteltasche, notierte etwas mit einem Lippenstift darauf, riss das Blatt ab, drehte sich noch einmal zu ihm um und ließ es auf das Bett fallen.
Ohne ein weiteres Wort ging sie, öffnete die Tür und war verschwunden.
Er hörte wie das Schloss zuschnappte und sehnte sich nach ihrer Gegenwart.
Er fragte sich, warum.
Wenig später griff er nach dem Blatt Papier auf dem Bettlaken und las in roten Großbuchstaben:
„Kondome nicht ins Klo. Spritz lieber in meinen Strumpf und sauge ihn dann aus. Einmal deine Herrin.“
Einmal?
Seine eben noch so heftige Lust löste sich auf.
Und in die Leere kroch die Einsamkeit.


Sie fror und beeilte sich, wieder an ihren Arbeitsplatz in der Bremer Reihe zu gelangen.
Vor einem Hauseingang fiel ihr Blick auf eine zerbrochene Flasche Bier. Daneben lag eine Spritze mit einer umgebogenen Nadel.



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Das Foto zeigt den Heiligen Sankt Georg über einem Tor in der Langen Reihe ____________________________________________________

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