Ladoradalin ist 24 und ihr Nick hat eine kleine Geschichte, die mit einem Gedicht und ihrem Namen zu tun hat. Die kürzeste und ihr angenehmste Übersetzung heißt „Goldmädchen“, was wiederum eine andere Geschichte hat.
Geschichten sind auch das, was sie am meisten interessiert, in jedem Gesicht und jeder Geste.
Sie ist ein gebürtiges Ostmädchen, das es über Umwege nach Niedersachsen verschlagen hat und das von dort aus nach Berlin pendelt, um dem nachzugehen, was ihr am wichtigsten ist.
Lieben.
Sie studiert und ihr Studium ist ebenso interdisziplinär wie ihr Leben an sich.
Ladoradalin mag die Leidenschaft nicht nur, sie lebt und liebt sie in jeder Facette.
Sie ist devot, kann aber das Wort Sklavin gar nicht leiden, mag den Schmerz, aber meist erst hinterher und findet sich in den gängigen BDSM Definitionen nie so ganz zurecht.
Nach eigener Aussage:
Bunt.
Blumig.
Bebend.
Träumerchen und Quängelliese.
Kindsfrau mit Bierzeltcharme.
Ordnungsflüchtige auf allen Ebenen.
Sensibelchen und kleine Kriegerin.
Standbein zwischen den Türen.
Widerwille und Leidenschaft.
Unverblümt.
Unperfekt.
Unstet.
Emotionale Extremistin mit Kontinuitätsfaible.
Grenzgängerin in sicheren Gefilden.
Gemeinschaftsmensch mit Kollektivphobie.
Liebend.
Lebend.
Lodernd.
Immer so.
In etwa.
Kontakt: ladoradalin@hotmail.de
Ladoradlin's Tagebuch
Mittwoch, 11. Juni 2008 - 01:39 Uhr
Sex ist auch nicht das, was er mal war

H. ist eine Stadt, die definititiv zu klein ist.
Ganz generell und erst recht für Affairen.
Nicht, dass es derlei in H. viele gäbe, es ist genau genommen überaus schwierig, in H. eine Affäre, oder vielmehr jemanden für eine Affäre zu finden.
Ich aber fand.
Und werde sie nicht los.
Nein, jeniger selber läuft mir nicht hinterher, schwört mir nicht Liebe und singt auch nicht unter meinem nicht vorhandenen Balkon.
Aber er ist da.
Und ich treffe ihn.
Immer und immer immer wieder.
Und das, obwohl er schon seit Jahren mit dem Studium fertig ist und demnach allen Grund hätte, H. zu verlassen.
Aber, nein, er bleibt.
Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, ich weiß, was es heißt, jeden Tag Leuten zu begegnen, denen man nicht begegnen möchte.
Das allein ist schwierig.
Aber einem Jemand zu begegnen, dem man nicht begegnen möchte, aber mit dem man trotzdem geschlafen hat, das kenne ich nicht.
Dazu war ich seiner Zeit zu jung.
Und vielleicht nicht verzweifelt genug, als zu der Zeit, in der ich mit besagtem Jemand schlief.
Es ist normalerweise nicht meine Angewohnheit über ehemalige Beischlafpartner nach zu denken, oder gar zu schreiben, aber diesmal muss ich mich auslassen.
Es geht um meinen Seelenfrieden.
Er sieht gut aus, das muss man zu meiner Verteidigung sagen.
Und ich erhielt damals von einer Freundin den Hinweis, er sei der Beste gewesen, den sie jemals im Bett hatte.
Ja und ich?
Ich war Single und brauchte den Sex.
Die Ansichten meiner Freundin und mir gingen bzgl. des Könnens besagten Jemannds anscheinend weit aus einander, aber das konnte ja keiner ahnen.
Und das wäre auch alles noch unter Pech zu verbuchen gewesen, müsste ich mich nicht ständig mit diesem vorbeitrabenden und freundlich grüßenden Bettversager herumschlagen!
Würde er mir nur nicht ständig vor die Füße laufen!
Und selbst wenn, würde er nur nicht ständig so tun, als wenn wir es NICHT miteinander getrieben hätten!
Ich meine, wozu gibt es ONS?
Kam man danach nicht einfach so tun, als kenne man sich nicht?
Kann man im Aldi nicht gepflegt aneinander vorbei gehen und den Blickkontakt vermeiden?
Wo sind die Männer hin, die nach einem ONS keine Nummer hinterlassen?
Wo sind die Männer hin, die nach dem Sex nichts mehr von Dir wissen wollen?
Wo sind die Männer hin, vor denen meine Mutter mich immer gewarnt hat?
Und wo ist meine Mutter, wenn man sie braucht?
Die stelle ich zur Rechenschaft.
Die lade ich ein für ein Wochenende in H.
Dann kann sie mal sehen, was es heißt mit Männern zu leben, die scheiß höflich und konversationsbedacht sind, die von ihren eigenen Müttern beigebracht bekommen haben, dass man nach einem bedeutungslosen Fick höflich grüßen und plaudern muss.
Dann kann sie mal sehen, was es heißt, eine Frau mit 24 zu sein, die Spaß wollte und Konversation bekam.
Und vor allem kann sie dann mal sehen, dass Kleinstädte junge Frauen nicht davor bewahren, wahllos herumzuvögeln und danach mit den Konsequenzen leben zu müssen.
Konversation: positiv.
Ja, Mutter.
Ihr werdet euch sicher gut verstehen.
Montag, 19. Mai 2008 - 22:23 Uhr
J.E.T.Z.T.

Rabenschwärze füllt den Tag
kräht die Strahlen sonnig nieder
was in unsren Träumen lag
reißt mich nun mit Wonne nieder
Nebelschweifend hier und jetzt
blutend häng ich mich ins Heute
bis Du mein Gesicht zerfetzt
sind wir ganz normale Leute
Nackenstürmend bahn Dich vor
lass dir andern andres machen
reiß die Sinne mir vom Ohr
und die Nabelschnur vom Lachen
Heute raun ich Deinen Trieb
fest mir in den Abendschauer
heute spür ich, wie ich blieb
Morgen schrein wir nichts von Dauer
Gestern war, was heute ist
und ich leck das Salz vom Weinen
gestern hab ich Dich geküsst
heute tanz ich auf den Steinen
Heute weiß ich, was ich weiß
lass mein Blut die Schläge zählen
von den Wänden rinnt der Schweiß
Liebster, ach, wie kannst Du quälen
Edit:
Tagebucheinträge sind Gedanken.
Doch manchmal kommen sie einfach als Strophen daher.
So war's.
So ist's.
Zumindest heut'.
Mittwoch, 7. Mai 2008 - 01:26 Uhr
ES

Ich weiß noch immer, wie es war, als ich dir vertraut habe.
Es ist nicht fern dieses Gefühl und darum macht es traurig.
Mich und dich und VielleichtUns.
Wo wir jetzt stehen, wer weiß das schon?
Und solche Fragen mag ich nicht.
Aus dem Zugfenster heraus konnte ich dein Gesicht sehen, da war noch immer das Ziehen im Bauch und die Geborgenheit.
Wir liegen uns im Arm und dein Geruch lässt mich das Andersgeworden fühlen. Das gleiche Parfüm, das Haarestreicheln, alles dasselbe.
Heute ist die gute alte Zeit von morgen und mein früher nicht älter als 14 Tage.
Wir reden, wir reden und ich erzähle dir von meinem Tag mit strahlenden Augen, ich hüpfe um dich herum, ich geb' dir ach soviele Küsschen, eins auf die Nase, eins auf den Hals, eins auf die Stirn.
Eins fürs Vergessen.
Und noch eins und noch eins und noch eins.
Dein Lächeln reibt die Stimmbänder auf, ich bin nicht ganz sicher, ob es nun meine sind, nur zerkratzt hört sich das an.
Wenn wir wirklich den Mund aufmachten, wäre nichts mehr, was wir sind.
Ich weiß noch, wie du auf meinem Bett gelegen hast, mit dem Kissen so unter dem Kopf, der Hand genauso auf meinem Arm.
Fast geflüstert kam es daher, meine Antwort um vieles leiser.
Mir fehlten nicht die Worte, mir fehlte die Stimme.
Das Es in der Sprache hat mich immer irritiert, da wusste ich auf einmal, warum.
Es ist heute anders.
Anders seitdem, nicht älter als 14 Tage.
In diesem Schwebezustand, der sich breit macht, wenn es für das Wütendsein zu spät und für das Verzeihen viel zu früh ist, schleiche ich mich in dein Bett.
Dass du wartest, steht außer Frage, dass du hoffst, wünsche ich mir mehr als das.
Und ob ich das geben kann, wofür es gerade viel zu früh ist, weiß ich nicht.
Ich bin noch zu sehr mit dem Wunsch beschäftigt.
So viel Zeit ist dahingegangen, so viel, in der wir aufgebaut haben, was uns durch noch viel mehr Zeiten getragen hat, was so unkaputtbar binnen drei Sätzen dorthin kroch, wo ich vor uns nicht war, nie gewesen sein wollte.
"Weißt du", flüstere ich, "es fühlt sich kalt an neben dir".
Ich möchte weinen, wirklich, nicht, weil es mich erleichtern würde, ich möchte nur, dass du mein Fühlen tröpfchenweise auf der Haut spürst. Als würde ich nicht wissen, dass es dir leid tut, als könnte ich einfach traurig sein.
Du schlingst die Arme um mich, fast rettungslos, so dass mir nichts als eine Erwiderung bleibt für den Moment.
Zwei Stunden, ein halbes Leben lang später liege ich an der Bettkante, denke immer noch darüber nach, auf die Couch umzuziehen, täte es, käme ich mir dabei nicht wie in einem Kitschroman vor.
Ich bin sonst immer vor dir eingeschlafen.
Das weiß ich noch, ich weiß es noch.
Es ist nicht älter als 14 Tage.
Wenn du aufwachst, werden du und ich müde sein.
Wir sind es nicht mehr.



