Das bin ich ...
Seinschatten ist ein Mann und Dom von 37 Jahren. Er lebt in Berlin und weil er dort zugereist ist, darf er sich rühmen, ein „echter Berliner“ zu sein. Er ist Vater eines kleinen Sohnes und lebt von seiner Frau getrennt. Er steht in Lohn und Brot.
Er ist heterosexuell, ist im Herzen so leicht entflammbar, wie in den Lenden und verkehrt in der SM-Szene seiner Stadt.
Er liebt die Frauen und will von ihnen geliebt werden.
Seinschatten und die Anderen:
S. glaubt, daß er niemals glücklich werden könne.
A. glaubt, sie müsse aufpassen, weil er so gefühlvoll sei.
J. fand mal, er sei die erste Wahl.
Für M. ist er schlicht ihr schwarzer Engel.
Der G. ist froh, daß er ihn hat.
Freund H. meint, er solle Sensai werden.
I. mußte bei ihm an „das kleine Arschloch“ denken.
Kollege E. findet, er sei eine Domwalze.
B. glaubte, er sei zu nett und konnte dann nicht mehr sitzen.
T. mag ihn, obwohl er so arrogant sei.
Catwoman nennt ihn „Bambi“.
AG. versteht ihn nicht.
X. nannte ihn den „Sprachpanzer Pontemkin“.
Seinschatten ist bewegt und bewegt sich selbst. Vieles verändert sich für ihn. Standing on shaky ground. Vieles ist neu für ihn. I am what I am, cause I ain’t what I used to be. Sein Outing liegt nicht lange zurück. Seine Trennung hat frische Wunden geschlagen. Sein Herz steht unter Strom. Sehnsucht zerrt an ihm. River is flowing underground. Er ist auf der Suche.
Kurz: Er hat Mitteilungs- und Reflektionsbedarf genug um diesen blog zu führen.
Seinschatten freut sich, daß Du ihn liest.
Seinschatten kann Dich lesen unter seinschatten_nachtwaertz@yahoo.de
01.09.06
Seinschatten's Tagebuch
Montag, 5. Mai 2008 - 12:40 Uhr
Kulturgut

Sehnige Walküren mit BDM-Frisuren, Aerobicmodels die von Dobermännern besprungen werden und Playmates, die im Streckverband durch französische Gärten staksen.
Na, was ist das?
Richtig!
Helmut Newton.
Oder so: Erlesene Langeweile. Jetsetdekadenz. Großformatige Leere. Sinnfreier Blödsinn in schwarz-weiß.
Nein, ich mag ihn nicht. Und ein Besuch in seinem Nachlass ist eine Unternehmung, die ich stets aufs Neue bereue.
Jedenfalls so lange, wie ich den Fehler mache, mir die Fotos an den Wänden anzuschauen. Viel interessanter nämlich sind die Besucherinnen. Die Sammlung Newton am Bahnhof Zoo zieht nicht nur ungewöhnlich viele junge Frauen an, sondern vor allem auch ungewöhnlich viele attraktive junge Frauen. Das Beste, was man machen kann, ist sich auf einem dieser ledernen Loungesessel niederzulassen, irgendwie cool und interessant auszusehen und nach Möglichkeit keine Minute mit den affigen Fotografien zu verschwenden. Im ersten Stock stehen zweierorten solche Sitzgruppen und praktisch jede Besucherin muß früher oder später an ihnen vorbei. Wenn sie nun von all dem fragwürdigen Kunsthandwerk eine kurze Rast sucht, muß sie zudem mit einer fünfzig prozentigen Wahrscheinlichkeit dazu die Sitzgruppe wählen, in der man also auf sie lauert.
Wenn man freilich aus gutem Grund kein Interesse daran hat, einen schnöden Aufriss zu tätigen, kann man natürlich auch darauf verzichten, als Lustgreis in den Sesseln zu lümmeln und stattdessen ganz entspannt durch die Gänge schlendern. Den Blick schweifen und ihn vorübergehend einfangen lassen, von diesen hübschen Beinen oder jenem exeptionellem Arsch. Unter Umständen fühlt man sich ja an jemand Wichtiges erinnert. Das ist dann vielleicht sogar den Eintritt wert. Anders, als die Fotos. Und wenn man Glück hat, wird man schließlich eines solchen Schauspiels teilhaftig, wie es mir vergönnt war.
Man stelle sich eine Erstsemesterschönheit aus bestem Hause vor. Ein gazellenhaftes Mädchen mit überzogenem Stolz. Eine langhaarige Großbürgergrazie. Papas Prinzessin und Mamas späte Wiedergutmachung für die einst verwehrten akademischen Weihen.
Da steht sie nun und befriedigt ihre erotische Neugierde einvernehmlich mit den Erfordernissen einer kulturell hoch stehenden Lebensführung. Newton kommt ihr da gerade recht. Newton ist immer explizit, aber nie pornographisch. Das gefällt meiner Großbürgerschönheit. Nicht nur, daß Newton den Anspruch erfüllt, kanonisch zu sein. Wenn auch postum. Newton hat vor allem die richtige Priese Hochglanz und das ausreichende Maß akademischer Reinheit um unsere Großbürgerschönheit mit ihrem Unterleib zu versöhnen. Über ihre Definition von „Pornographie“ zu reden, wäre nämlich ein vortreffliches Schlafmittel.
All dies denke ich und verfolge sie ein paar Meter weit mit meinen Blicken. Vorbei an den französischen Gärten, den Streckverbänden und den Dobermännern.
Routiniert schwebt ihr Blick über großformatigen Fotos. Erfaßt im Schlenderschritt eines nach dem anderen, vertieft sich mal weniger, mal mehr. Da plötzlich hält sie inne. Stutzt. Versteht nicht, was sie sieht. Erkennt nicht auf Anhieb, worum es geht. Das Bild ist dunkler, als die meisten anderen und es ist unschärfer. Etwas verwackelt zudem. Der zweite Blick sortiert die herrenbehosten Beine und das Sofa. Ein dritter arbeitet einen weiblichen Lockenkopf heraus. Ein vierter bleibt ergebnislos. Der fünfte dechiffriert eine Hand mit lackierten Nägeln. Der sechste schließlich läßt ihr das Blut heiß in die kleinen Öhrchen fahren, als sie den Schwanz erkennt und die Lippen, die sich darum legen. Und das ist der Augenblick, in dem sie zeigt, was sie drauf hat! Nur ihre Ohren, die jetzt im Dunkeln leuchten würden, verraten sie. Mit unbewegter Miene setzt sie sich wieder in Bewegung. Schwebt dahin. Völlig ungerührt.
Man kann nicht unbedingt behaupten, daß das schmale Gemächt auf dem Bild ein Donnerkeil gewesen wäre und doch fuhr es genauso in die gefällige Ruhe unserer Erstsemestermaus. Und siehe! Sie läßt sich nichts anmerken. War was? Da war nichts. Und niemand hat was bemerkt. Naja. Fast niemand.
Ich liebe die Sammlung Newton.
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Seinschatten wurde im Museum erwischt von Renee Hawk. Freilich nicht in Betrachtung H. Newtons. Vielmehr bewundert er die feine Textur auf einem echten Thomas Wilhelm Becker.
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Montag, 21. April 2008 - 13:38 Uhr
Feenzauber

Jeder Zweifel in dieser Sache ist absolut ausgeschlossen. Ich beherberge die mit Abstand schönste Katze, die je dauerhaft auf vier Beinen einher getigert kam.
Selbst der Klempner, der gekommen war um den Spülkasten auszutauschen und der schon von Berufs wegen kein all zu großer Schöngeist sein darf, verfiel in reines Entzücken, als meine kleine Prinzessin auf seinen Werkzeugkoffer hüpfte. Leutselig blickte sie von dort zu dem lustigen Fremden auf und dachte vermutlich, daß man ganz bestimmt herrlich auf ihm herum klettern könnte, weil er so wundervoll dick sei.
Und der Klempner?
Ließ sich von meiner kleinen Fee verwandeln. Von einem mürrisch schnaufenden Schmutzarbeiter in etwas ganz unerwartet leichtfüßiges, daß die Lippen spitzte, die Stimme beherzt eine Oktave höher schraubte und sanft zu meinem Kätzchen sprach:
„Na, Du bist ja eine Süße!“
Das war, zugegebener Maßen nicht sehr originell, aber ich könnte mir vorstellen, daß es ein paar Jahrzehnte her ist, daß er das zuletzt einmal zu jemandem gesagt hat.
Meine schönste aller vierbeinigen Katzen und ich, wir sind dergleichen inzwischen gewohnt. Was eigentlich erstaunlich ist, denn längst entspricht ihre Physiognomie nicht mehr dem Kindchenschema. Tatsächlich kann sie inzwischen sogar ganz angemessen katzenhexenhaft aus ihren grünen Augen funkeln. Und doch hat sie die ungewöhnliche Gabe, absolut alles und jeden zu verzaubern. Das kleine Katzenmädchen.
Meine bissigen Peitschen jedenfalls hat sie zu lustigen Katzenspielzeugen verzaubert. Mit wilder Freude hechtet sie hinter dem schwarzen und roten Leder her. Als treu sorgender Katzenvater schwinge ich die Peitsche ebenso häufig, wie als treu sorgender Katzenherr. Nur eben anders. Nämlich gerade so, daß ich sie verführerisch langsam über den Boden ziehe und meine Freude daran habe, wenn das schwarze Juwel hinterher setzt, mit dem Flokati über die rutschigen Dielen schlittert und schließlich siegreich ihre spitzen Zähne ins Leder gräbt.
Allein ihr Verhältnis zu Rute und Stock irritiert mich. Zwar spielt sie auch damit. Darüber hinaus aber liebt sie es, sich an ihnen zu reiben. Tatsächlich! Schnurrend und raunzend schmiegt sie sich an das Schlagwerkzeug. Gurrt, dieweil sie genußvoll die Augen schließt und alles um sich herum vergißt. Stock und Rute verzaubert sie nicht. Vielmehr wecken die in mir den Verdacht, das Kätzchen sei verzaubert.
Wäre es nicht möglich, daß in diesem Katzenmädchen noch irgendetwas anderes steckt? Etwas oder jemand?
Ja, ich gestehe! Ich habe sie auf die Nase geküßt.
Aber nichts ist passiert.
Kein Knall, kein Feengekicher und auch kein Trockeneisnebel. Nur das weiße Samtpfötchen hat sie mir auf die Nase gelegt und dabei mit den grünen Augen gezwinkert, die kleine Prinzessin, die wohl doch keine verwunschene Flagellantin ist, sondern nur die schönste aller vierbeinigen Katzen.
Foto ausnahmsweise nicht von Renee Hawk.
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