Am 02.06.1740 wurde Marquis de Sade geboren. Wir nehmen dies zum Anlass ein Special über ihn zu bringen. Vorab sei aber eines gesagt. De Sade war in unserem Sinne nicht der erste SM-ler sondern schlicht weg ein Sadist. Er ist daher nur Namensgeber für die Sadisten, nicht für die einvernehmlichen Sadomasochisten. Die Einvernehmlichkeit bei seinen Aktionen war nur selten gegeben. Er hat jedoch philosophische Exkurse über die Libertinage und dem Lustprinzip entwickelt... und dort finden wir auch wieder die Nähe zu uns. De Sade war somit ein Dualismus in Sachen SM.
De Sade wird am 2. Juni 1740 in Paris als Sohn des Comte de Sade, Seigneur de Saumane et de La Coste et Conseigneur de Mazan, und der Comtesse de Sade geboren. Der Sohn eines Adelsgeschlechts soll eigentlich auf den Namen Louis- Aldonse- Donatien getauft werden. Durch das Versehen eines Beamten wurde jedoch zu Donatien- Alphonse- François.
Aufgrund schwieriger finanzieller Verhältnisse wird der junge de Sade 1744 zu Familienangehörigen geschickt. 1750 kehrt er nach Paris zurück und besucht das Collège Louis-Le-Grand. 1754 beginnt er seine militärische Ausbildung in Versailles. Ab 1755 ist der Marquis Unterleutnant der Kavallerie im Regiment des Königs und nimmt 1757 als Hauptmann am Siebenjährigem Krieg teil.
1763 kehrt de Sade verarmt nach Paris zurück. Auch seine Familie ist mittlerweile finanziell ruiniert und er heiratet er auf Drängen seines Vaters am 17. Mai 1763 die vermögende Renée-Pélagie de Montreuil.
Am 28. Oktober 1763 wird der Marquis im Zusammenhang mit der Affäre um die Arbeiterin und Prostituierte Jeanne Testard (18. Oktober 1763) für einige Wochen in Vincennes inhaftiert, weil er sie schlug und blasphemische Handlungen durchführte.
Sein erster Sohn Louis-Marie kommt am 27. August 1767 zur Welt.
Als die Bettlerin Rose Keller den 28-Jährigen kurz darauf bezichtigt, sie am Ostersonntag gegeißelt zu haben, kommt es zu einem Skandal, infolge dessen de Sade nach Gefängnisaufenthalten in Saumur und Pierre-Encise am 16. November auf seinem Anwesen in La Coste festgesetzt wird. Als der Marquis am 27. Juni 1772 bei einer Orgie Kanthariden- Bonbons an vier Prostituierte verteilt, provoziert dies einen erneuten Skandal. Die Prostituierten erkranken an diesem Aphrodisiaka schwer. De Sade und sein Diener Latour werden des versuchten Mordes angezeigt, zum Tode verurteilt und flüchten vorübergehend nach Italien. Am 8. Dezember 1772 wird er in der Festung Miolans in Savoyen inhaftiert, von wo aus ihm am 30. April 1773 mit Hilfe seiner Frau die Flucht gelingt. Als im Juli 1775 erneut Gerüchte um ausschweifende Orgien kursieren, flüchtet er am 17. Juli erneut nach Italien.
Am 13. Februar 1777 wir er in Vincennes inhaftiert. Nach erneuter Flucht am 16. Juli 1778 wird er am 26. August erneut aufgegriffen und verbringt sechs Jahre in Vincennes. In dieser Zeit verfasst ua die erste Fassung der "120 Tage von Sodom" (1782). 1784 wird der Marquis nach Paris in die Bastille verlegt, wo er weitere Romane „Aline und Valcour“ (1786-1788) und „Leiden der Tugend“ (1787) niederschreibt.
Als er am 2. Juli 1789 aus seinem Fenster ruft, dass man die Gefangenen umbringe, wird er nach Charenton verlegt. Demnach zählt er auch nicht zu den Häftlingen, die beim Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 befreit werden. Im Zuge der Generalamnestie vom 13. März 1790 verlässt er jedoch am 2. April 1790 das Gefängnis. Am 9. April 1790 wird seine Ehe geschieden. De Sade ist fortan mit der Schauspielerin Marie-Constance Quesnet liiert und veröffentlicht im Verlauf der Revolution eine Reihe erfolgreicher Werke. Im September 1790 spielt die Comédie Française seinen „Misanthrope par amour“. Im gleichen Jahr wird „Le Comte d’Oxtiern ou les Effets du libertinage“ uraufgeführt. De Sade btätigt sich zunehmend politisch. Im Dezember 1793 wird er verhaftet und bis zum 15. Oktober 1794 nach Saint-Lazare verlegt. Nach seiner Freilassung veröffentlicht er 1795 „Die Philosophie aus dem boudoir“ sein wohl wichtigstes Werk. Materielle Not zwingt ihn sein Gut in La Coste zu verkaufen.
1797 erscheint der Roman „Juliette“.
De Sade gerät in politische Bedrängnis und lebt in tiefer Armut. 1800 publiziert er unter anderem die Novellensammlung „Die Verbrechen der Liebe“
Am 06. März 1801 wird de Sade als Autor des Romans „Justine“ erneut festgenommen und ab dem 27. April 1803 im Irrenhaus von Charenton festgehalten. Dort verstirbt er am 2. Dezember 1814. 31 Jahre verbrachte er insgesamt im Gefängnis.
Nach seinem Tod sorgte das älteste seiner 3 Kinder für die Verbrennung seiner letzten Werke. Seine Asche wurde verstreut. Es existiert kein Bildnis von ihm und de Sade geriet kurzzeitig in Vergessenheit.
Seine als obszön und pornografisch angesehenen Schriften wurden von seinen Zeitgenossen und auch von den nachfolgenden Generationen scharf kritisiert und deren Veröffentlichung und freier Verkauf war teilweise bis ins 20. Jahrhundert verboten.
Einer der ersten, der sich in diesem Jahrhundert ernsthaft mit de Sade auseinander setzte war Jean Paulhan, er inspirierte Pauline Reage zur Geschichte der O. Mittlerweile sind seine Schriften schützenwertes Kulturgut geworden.
Eine etwas andere Betrachtung des Marquis:
Mit de Sade verbinden die meisten Menschen den "Pornografen". Verschwiegen wird, dass er die Entwicklung der (unserer) modernen Demokratie vorhergesehen hat, dies vielleicht deswegen, weil die Verwirklichung der sadistischen Utopie sich erst heute abzeichnet.
De Sade vertrat die Ansicht, dass Verbrechen und Ausschweifung natürlicher Bestandteil des Menschen sind. Vergehen gegen die Moral, sind in seinem Weltbild unerheblich. Der Staat hat nur eine einzige Moral- sich selbst mit allen Mitteln zu erhalten.
Als erste Voraussetzung gilt der Abschied vom Christentum als Staatsreligion. Es ging ihm nicht um Religionsfreiheit sondern um die Abkehr vom Glauben hin zur Blasphemie.
Ist die moralische Grundlage entfernt, steht der freien Ausübung der Leidenschaften nichts mehr im Weg, wobei der Genuss unabhängig von den Folgen dieses Genusses rechtens ist. Denkt man an die vielen Verbrechen an Kindern und Frauen, an Menschenhandel, an Korruption, Wirtschaftsverbrechen, gebrochene Wahlversprechen usw erfüllt de Sades Geist heutzutage mehr denn je unsere Gesellschaft.
Wer mehr darüber lesen will, empfehle ich das Buch "Philosophie aus dem Boudoir"
Von Marquis de Sade gibt es kein Bildnis...


