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Nagisa Oshima, Jahrgang 1932, studiert in seiner Heimatstadt Kyoto in Japan. Seine Interesse gilt zunächst den Rechtswissenschaften und der Politik. Doch schon bald entdeckt er das aufkommende Medium Film für sich. Er erkennt wohl die kommende Bedeutung die der Film in unserer Welt einnehmen würde. 1954 wird er Regieassistent bei der berühmten Filmfirma Shochiku. Gleichzeitig schreibt er Artikel, die sich kritisch mit der etablierten Filmindustrie auseinandersetzen und gründet 1956 seine eigene Zeitschrift "Eiga Hihyo". Seine kritische Seite wird ihn immer verfolgen und auch in so manche Schwierigkeiten bringen. Er war schon von Anbeginn seiner Karriere kompromisslos in seinem tun und erinnert mich etwas an „Keraban, der Starrkopf“ von Jules Verne.

1959 veröffentlicht er mit "Eine Stadt voller Liebe und Hoffnung" seinen ersten Film vor. Dieser wird allerdings nicht sehr beachtet. Er ist für eine Kinofassung zu kurz und wird rasch abgesetzt. Vielleicht lag es daran, dass er zu sehr mit der Arbeit als Regisseur beschäftig war und ihm die Lockerheit fehlte. Der Film war Arbeit, nicht Kunst. Schon sein zweiter, 1960 gedrehter Film "Grausame Geschichten der Jugend" schlägt durch seine Kompromisslosigkeit ein und begründen seine Ruf als Trendsetter und unbequemen Kritiker. Der Film handelt von einer Frau, die sich als Lockvogel einsetzen lässt um ahnungslose Autofahrer zu erpressen. Er verwischt die klare Einordnung von Täter und Opfer. Oshima zeigt, dass die Welt auch grausam ist, und er zeigt Sexualität. Dies ist im Japan der 60er Jahre gesellschaftlich nicht gewünscht. Filme haben ein Happy End zu haben und Oshima bricht dies auf. Mit seinem vierten Film eskaliert sein schon gestörtes Verhältnis mit Shochiku. "Nacht und Nebel über Japan" wird zurückgezogen. In diesem Film rechnet er mit der Revolte der Studenten ab. Er gründete 1965 seine eigene Produktionsgesellschaft und ist fortan unabhängig in seinem Tun.
Mit Filmen wie "Tod durch Erhängen" (1968) und "Der Junge" (1969) gewinnt Nagisa Oshima zunehmend auch internationale Anerkennung. 1976 sorgt "Im Reich der Sinne" ( Siehe Besprechungen) für einen Eklat. Der Film wird in Japan und vielen europäischen Ländern als pornographisch verboten, die Kopie auf der Berlinale von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.
Nagisa Oshima drehte seitdem nur noch drei weitere Kinofilme: "Im Reich der Leidenschaft" (1978), "Furyo - Merry Christmas Mr. Lawrence" (1982) und zuletzt 1986 "Max, mon Amour". Dann verschwand er 14 Jahre von der Kinoszene um 2000 mit Gohatta wieder aufzutauchen. Der Film beschreibt das Leben einer Söldnertruppe im Spannungsfeld der Homosexualität. Auch dieses Mal basiert der Film auf wahre Begebenheiten.
Und wieder spielt selbstzerstörerische Sexualität eine Rolle.