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Der Arzt und Psychiater Richard Freiherr von Krafft-Ebing wurde am 14. August 1840 in Mannheim als Sohn einer Justiziarfamilie geboren. Die Familie gehörte dem gehobenen Mittelstand an und ermöglichte es ihm in Heidelberg Medizin zu studieren. 1863 promovierte er mit dem Thema „Sinnesdelierium“. Seine Studien führten ihn durch viele Großstädte Europas. Darunter Berlin, Prag und Zürich.
1864 wurde er Assistenzarzt in Baden Baden an einer Nervenheilanstalt und eröffnete 1868 seine eigene Praxis. Bereits 1872 im Alter von 32 Jahren wurde er Professor an der Universität von Straßburg und wechselte bereits ein Jahr später nach Graz und wurde Leiter der dortigen Irrenanstalt.
1889 wechselte er erneut und ging nach Wien um dort die Psychiatrisch-Neurologischen Klinik zu übernehmen. Hier scheint er seine Heimat gefunden zu haben, denn er blieb dort bis zu seinem Ruhestand 1902. Er verstarb am 22.12.1902 in Graz.
Krafft-Ebing hat eine Vielzahl von psychologischen Abhandlungen geschrieben. Allgemein bekannt geworden ist er durch die Erfindung der Begriffe Fetischismus, Sadismus und Masochismus. In seinem bekanntesten Werk von 1886 der "Psychopathia Sexualis" begann er mit einer systematischen Einteilung bestimmter sexueller Vorliebe als Krankheitsbilder. Anhand vieler Fallbeispiele kategorisierte er "Abnormalien" des Sexualverhaltens, die teilweise auch noch heute Anerkennung finden. Auch mit medizinischer Kriminalistik beschäftige er sich ausgiebig und arbeitete als Gerichtsmediziner.
Besondere Bedeutung hatte Krafft-Ebing für die wissenschaftliche Betrachtung der Homosexualität. Noch im 19. Jahrhundert galt die Homosexualität als Ausdruck einer unmoralischen Geisteshaltung und einer dekadenten Lebensweise und unterlag somit als Verbrechen gegen die Sittlichkeit harten Gefängnisstrafen.
In seiner Psychopathia Sexualis definiert er auch die Homosexualität als eine erbliche Nervenkrankheit die somit nicht strafbar und auch nicht ansteckend sein konnte. Sein Appell blieb lange Zeit erfolglos.
Für die nachkommende Forschergeneration um Magnus Hirschfeld bildeten Krafft-Ebings Erkenntnisse und seine streng empirische Methode den Ausgangspunkt ihrer eigenen Forschungen.
Krafft-Ebing gilt somit als Begründer der modernen Sexualpathologie und ist einer der maßgeblichen Entwickler der Psychiatrie als Disziplin der Wissenschaft. Er galt als einer der führenden Köpfe der "Wiener Medizinischen Schule".
Im Jahre 1908 wurde ihm zu Ehren eine Marmorbüste im Akademiehof der Universität von Wien aufgestellt.