Auf meiner Suche nach Fotomodellen stolperte ich über Fetischiska, die mir zu allererst durch ihre außergewöhnliche Optik auffiel. Ich blieb dann auf ihrer Homepage hängen und las über eine Frau zwischen Fetisch, Gothic, SM und Show.
Grund genug Euch diese Frau einmal näher vorzustellen.
Ihr Name: FETISCHISKA
Frage: Wenn man sich Deine Homepage, Dein Aussehen und Deine Aktivitäten anschaut wirkt das alles sehr professionell.
Kannst Du davon leben?
Es freut mich sehr, wenn ich mit meinem Auftreten im Netz und auch meine Optik professionell wirkt. Und welches Model bzw. welche Künstlerin, die ihr Makeup selbst macht und ihre Klamotten selbst auswirkt, würde so ein Kompliment nicht freuen!
Wenn ich jeden Auftrag, den ich reinbekomme, auch annehmen würde, könnte ich sicher sehr gut davon leben. Aber das tue ich nicht, weil sowas nur schnell zu Abnutzungserscheinungen, Langeweile und Kreativlosigkeit führt. Ich suche mir meine Aufträge aus - bei Shootings meist danach, ob mir das Projekt gefällt, tolle Ergebnisse zu erwarten sein werden und auch unter dem Aspekt, ob ich denke, daß mit diesem oder jenem Photografen eine gute Zusammenarbeit möglich ist, denn ich habe meinen eigenen Kopf und eigene Ideen und will nicht nur eine ablichtbare Masse vor einer Kamera sein.
Frage: Ist diese Arbeit auch Teil Deines Lebensgefühls?
Oje...wenn es ein Teil meines Lebensgefühls wäre, dann würde ich auf den meisten Bildern grinsen.
Ich will es mal so sagen: Ich mache nichts, was mir nicht gefällt und was nicht zu mir paßt. Von daher drückt meine Arbeit sicher auch einen Teil meines Selbst aus. Bei Photos kann frau noch ne Rolle spielen - aber spätestens bei einer halbstündigen Bühnenshow wäre es für die Zuschauer der reinste Gähner, wenn ich lediglich eine Rolle spielen würde.
Frage: Als was würdest Du Dich beschreiben? Künstlerin, Gothic, Fetischistin, Modell...?
Extravagant, experimentierfreudig, kreativ, offen und begeisterungsfähig für Neues. Eine Einordnung meiner Selbst in bestimmte Kategorien möchte ich eigentlich nicht vornehmen, jedoch verstehe ich mich als Künstlerin mit einer Vorliebe für Bekleidung, die allgemein dem Fetischbereich zugeordnet wird, von Styling her sicher nah am dem, was unter "Gothic" verstanden wird - jedoch vom Lebensgefühl gänzlich anders. Das, was ich darstellen will, versuche ich in verschiedenstens Bereichen zum Ausdruck zu bringen - sei es nun auf der Bühne oder vor einer Kamera.
Frage: Was ist Dein persönlicher Fetisch?
Mein persönlicher Fetisch ist meine absolute Liebe zur Verschwiegenheit über mein Privatleben. Jedoch soviel dazu: Ich mache weder bei Shootings noch auf der Bühne etwas, wo ich nicht auch dahinterstehe und was in meine Vorstellung von Ästhetik und Erotik paßt. Und für die, die Stichworte lieben: Korsetts, Latexbekleidung, High Heels etc. - bezüglich spezieller Praktiken ist das auch je nach Lust und Laune unterschiedlich und verändert sich auch, denn ich hasse Shema-F.
Frage: Du tritts ja auch mit Bands auf wie den Untoten oder T.H. Industry. Wie kam es dazu?
Ich wurde danach gefragt. Da ich schon seit Jahren im Bereich Tanz und Performance aktiv bin und daher mir vorgestellte Konzepte schnell und publikumswirksam umsetzen kann, ist eine Zusammenarbeit eben auch ohne Tanzlehrer oder Choreographen möglich und effizient.
Frage: Ich wollte schon immer mal auf den Rubberball nach London gehen, habe es aber nie geschafft. Du bist da aufgetreten. Erzähl uns doch mal etwas darüber.
Es ist einer DER Fetischevents weltweit. Das reicht zur Beschreibung eigentlich schon aus. Ein Treffen, auf dem sich sowohl so ziemlich alles, was Rang und Namen hat trifft, als auch jene, denen die Liebe zur Fetischbekleidung ganz offensichtlich und sichtbar auf die Haut geschneidert ist.
Dort bietet sich die Gelegenheit, jene, die man sonst nur von Bildern kennt auch mal real zu treffen und mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt zu feiern, da es eine Vielzahl verschiedener Events mit unterschiedlicher Ausrichtung in diversen Locations gibt. Ein richtiges Festival eben. Was für mich gegenüber der deutschen Situation auf Festivals zunächst gewundert hat war die Tatsache, daß die Abendunterhaltung relativ früh beginnt und nicht erst weit nach Sonnenaufgang endet. War allerdings im Nachhinein betrachtet positiv, denn frau kam auch zu ihrem Schönheitsschlaf.
Der Rubberball ist auch gekennzeichnet durch eine große Offenheit im Umgang miteinander - grade jene, die von weither angereist sind, waren meinem Eindruck nach ständig bemüht, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Meine Mailbox ist auch Monate nach dem Event immer noch ständig gefüllt mit Mails von Leuten, die ich dort kennengelernt habe.
Die große Bereitschaft zur Kontaktaufnahme mag vielleicht auch darin begründet sein, daß viele Besucher des Rubberballs - grade aus Übersee sehr wenig Chancen haben, immer wieder auf Fetishevents zu gehen und daher mit großer Leidenschaft auf der Veranstaltung präsent waren. Hierzulande stellen sich bei vielen aufgrund des großen Angebotes ja auch mal Ermüdungserscheinungen ein.
Für mich als Performancekünstlerin gab es dort auch viel zu lernen und zu bestaunen. So war es beeindruckend, mit welcher Perfektion und mit welchem logistischen Aufwand gerade die Shows betrieben wurden, da eben auch viel in die Veranstaltung investiert wird - dies würde ich mir auch hierzulande wünschen, wo oftmals eine Performance eher als notwendiges, teures Übel gesehen wird, so daß Konzepte sich überwiegend am Budget ausrichten müssen.
Außerdem ist es natürlich auch ein Schaulaufen. Sehen und gesehen werden. Jeder ist betrebt, möglichst perfekt gestylt aufzutreten bzw. durch die Shopping-Möglichkeiten seine Klamottenkiste zu füllen und die Brieftasche zu leeren.
Wenn dein Interesse an der Frage war, zu wissen, ob man dort gewesen sein muß, so möchte ich dies so beantworten: Man lebt auch weiter und ist ein "ordentlicher Fetischist", wenn man noch nie dort war - um allerdings einmal auf einem wirklich internationalen Event gewesen zu sein und viele neue extreme, ausgeflippte Szeneleute kennen zu lernen lohnt sich ein Besuch allemal!
Frage: Dein Shows thematisieren FemDom-Elemente. Ist dies reine Show oder auch Teil von Dir?
Ob es "reine" Show ist oder ich auch persönlich präsent bin entscheidet eigentlich das Publikum, denn entweder es kommt "echt" und authentisch rüber oder aber es wirkt lediglich professionell einstudiert. Da ich bisher noch nichts negatives gehört habe, scheint es so zu sein, daß die Wirkung meiner Performances das wiedergeben, was ich dabei auch empfinde: Leidenschaft zur darstellenden Kunst, zur jeweiligen Thematik der Show und auch ein wenig Herzblut.
Und wenn du dir meine jeweiligen Partnerinnen einmal anschaust: Wer könnte da nicht auch eine persönliche Erregung unterbinden!
Frage: Du tritts gemeinsam mit einer passiven Frau auf. Seit ihr auch in real ein Paar?
Da ich meine Partnerinnen auch mal je nach Termin wechsle, wäre das dann Polygamie ;-) Allerdings würde ich nicht mit einer Partnerin zusammenarbeiten, die ich nicht auch anziehend finde und mit der ich nicht auch vor oder nach der Show bzw. privat etwas starten würde!
Frage: Im Gegenzug schreibst Du, dass Du nicht mit Männern auftrittst. Hat das einen Grund?
Keinen, der irgendwie feministisch etc. auszulegen wäre. Ich persönlich finde Frauenkörper einfach schöner und denke, daß auch das jeweilige Publikum - sei es männlicher oder weiblicher Natur - lieber zwei Frauen miteinander spielen sieht als einen eine Frau mit einem Mann. So einfach ist das. Ich stelle hier einfach mal die Behauptung auf, daß sich Frauen viel einfacher in die Situation hineinversetzen und mitfühlen können, was schön daran ist, wenn zwei Frauen miteinander Spaß haben als Männer, wenn sie sehen, wie eine Frau einen Mann unten hält...jedenfalls hab ich schon Äußerungen von gestandenen Männer nach dem Motto gehört: "Gut, daß du mit ner Frau gespielt hast - sonst hätt ich doch Angst bekommen..." ;-)
Mir fällt allerdings grade noch ein Argument von eher belustigender Natur ein: Stell dir doch mal vor, ich würde mit einem Mann spielen und die "primären Geschlechtsorgane" wären bei der Show selbstverständlich sichtbar und selbiger Herr hätte Lampenfieber oder ähnliches. Wenn dann das besagte Organ nicht während der gesamten Show in seiner ganzen Pracht erstrahlt würde man am Ende davon ausgehen, ich könnte zwar Leute unten halten aber nicht Schwellkörper oben. ;-).
Frage: Was machst Du am liebsten? Tanzen, Fotos, Shows?
Jeweils das, was grade ansteht. Mit allen drei Dingen kann ich meinen künstlerischen Anspruch, meine Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten umsetzen - sie bedingen einander in gewissem Sinne und vorallem lernt das Model von der Tänzerin, die Performancekünstlerin vom Model etc. und umgekehrt.
Jeder Bereich hat seine ganz eigenen Herausforderungen.
Beim Tanzen - egal ob als Backgroundtänzerin für eine Band oder als GoGo -
geht es primär darum, das Publikum mitzureißen, eine Stimmung zu übertragen und zum mitmachen zu animieren bzw. die jeweilige Band bzw. Musik zu unterstreichen und die Leute dazu aufzufordern, aus sich herauszugehen.
Meine Shows sollen eine bestimmte Form der Erotik (z.B. FemDom - bzw. bin ich dabei, meine artistischen Fähigkeiten in ein Konzept einer One-Woman-Show einzubringen und so Artistik und Erotik zu lombinieren... hoffe, daß sich sehr bald die Gelegenheit bietet, dies vorzuführen) darstellen und sind gekennzeichnet durch eine erkennbare Handlung. Elemente des SM, Fetisch, homosexuellen Sex etc. werden in eine Geschichte eingewoben, die das Publikum miterleben soll um vielleicht eigene Anstöße vermittelt zu bekommen. Im Kontext einer Fetischparty z.B. ist es mein Ideal, daß meine Show die Veranstaltung nicht unterbricht, das Publikum wie im Theater aufgefordert ist, jetzt mal eine Zeit lang still zu halten und nur zuzuschauen, sondern das auf die Bühne zu holen, was (hoffentlich) in den Darkrooms und auch sonstwo spieltechnisch eh schon die ganze Zeit läuft bzw. während meiner Show von den Zuschauern gestartet oder als "Anregung" verstanden sich in der Folgezeit ergibt.
Wenn man den Begriff der "Animation" einmal äußerst zweideutig faßt, so ist dies genau das, was meine Shows erreichen wollen. Daher verschwinde ich nicich eigentlich auch danach nicht
ich nach der Show nicht in irgendwelchen Backstage-Räumen sondern - wenn es möglich ist -versuche ich auch weiterhin mitzufeiern und weiterzumachen...
Die Tätigkeit als Model verstehe ich eigentlich als die Konzentration meiner verschiedenen Tätigkeiten. Ist es beim Tanzen möglich, sich von der Musik tragen zu lassen und diese einfach zu unterstreichen und "sichtbar" zu machen, so vermittelt eine Show Inhalte und Praktiken im Zusammenhang ihrer Entstehung, Entwicklung und Ausprägung.
Ein Photo soll m.E. einen bestimmten Inhalt möglichst konzentriert wiedergeben.
Dabei kann dies ganz unterschiedlich geschehen: Soll z.B. ein bestimmter Latexdress in Szene gesetzt werden, so versuche ich durch die Körperstellung etc. diesen besonders gut in Szene zu setzen, so daß ein Ergebnis herauskommt, welches dem "interessierten" Betrachter das zeigt, was er sehen will - "Produktphotografie" in gewissem Sinne.
Die Herausforderung ist allerdings dort am größten, wo es darum geht, eine ganze Geschichte soweit zu konzentrieren, daß sie auf ein Bild paßt. Daher bin ich, wenn ich eigene Sets entwerfe, immer bestrebt, diese Konzentration zu erreichen und versuche auch immer, noch während der Arbeit an einem Set Variationen zu finden um nachher bei der Auswahl der "besten" Bilder genügend Entscheidungsmöglichkeiten zu haben, da es mir persönlich nicht um Masse geht, sondern um Qualität.
Weiterhin ist die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Photografen unheimlich spannend - ist es doch so, daß hier zwei Meinungen miteinander korrespondieren: Ich weiß, was ich sofort darzustellen vermag und der Photograf weiß, was er mit mir erreichen möchte. Und so ist es entweder so, daß ich einfach nur versuche, die Vorstellungen des Photografen bestmöglich umzusetzen oder perfekterweise entsteht eine kreative Zusammenarbeit, die für beide Seiten äußerst bereichernd ist.
Frage: Auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Du kostenlos für Charityzwecken auftrittst. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Du zum Beispiel eine Performance für den Tierschutzverein machst. Wurde das schon einmal genutzt?
Ich würde sofort eine Performance für den Tierschutzverein machen nur leider ist mein Hund ein Sturkopf und läßt sich nichts beibringen... ;-). Ich denke auch eher an Werbung als an Performances.
Ich führe grade jetzt verschiedene Diskussionen mit Organisationen über diese Thematik. Es stellt sich dabei selbstverständlich die Frage - und dahin zielt die deinige ja wohl auch - der Vermittelbarkeit. Ich will daher mal ein Beispiel geben, weshalb ich denke, daß da doch Möglichkeiten gegeben sind. Stell dir z.B. einmal mich auf einer Plakatwerbung vor, die für Safer Sex wirbt: "Wenn sogar bzw. gerade diese krasse Frau drauf achtet, immer Kondome zu benutzen, dann scheint das ja auch wichtig zu sein..." So ähnlich könnte das beim Betrachter ankommen...
Frage: Eine Fee gewährt Dir 3 Wünsche...
Wenn die Fee hübsch ist zuerst mal sie selbst...! Für mich persönlich wünsche ich mir, daß ich mit meiner Arbeit Erfolg habe, sie so ankommt, wie ich es mir gedacht habe und daß ich dem jeweiligen Publikum - seien es die Betrachter von Bilder oder Zuschauer meiner Auftritte etc. - ein anregendes, positives Gefühl vermitteln kann. Außerdem wünsche ich mir, daß ich niemals nicht ein Opfer von Routine, Kreativlosigkeit oder Langeweile werde sondern immer wieder neue, spannende Ideen habe und diese auch umsetzen kann, so daß auch in 10 Jahren die Leute immer noch gerne hinsehen, wenn ich zu sehen bin. Wenn diese Fee wirklich mächtig ist, würde ich mir auch große Veränderungen zum Positiven für unsere Welt und unser menschliches Miteinander wünschen...
Vielen Dank für das Gespräch.
Kontakt:
fetischiska@batsempire.de
http://www.fetischiska.de
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