Geboren 1946, Mürzzuschlag/Österreich
Ab 1960 Studium am Wiener Konservatorium, Organisten- Diplom 1971
1964-67 Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, Universität Wien
Mitte der sechziger Jahre Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit
1970-73 Mitglied des „Arbeitskreises österreichischer Literaturproduzenten“
1971 erste Hörspiele
1972 Österreichisches Staatsstipendium
1972-93 Mitglied der Grazer Autorenversammlung
1979 Buchprämie de Bundesministerium für Kunst/Österreich sowie 1983 den Drehbuchpreis des Innenministeriums der BRD
1974-91 Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs
Ab 1980 Rezensentin bei der Monatszeitschrift „Extrablatt“, Mitarbeit bei der Berliner Zeitschrift „Die schwarze Botin“
1986 Heinrich Böll Preis
1989 Würdigungspreis der Stadt Wien
1993 Ehrenpräsidentin der Österreichischen Dramatiker Vereinigung
1994 Walter Hasenclever Preis und Peter Weiss Preis
1996 Bremer Literaturpreis
1998 Georg Büchner Preis
2004 Literatur Nobelpreis
Elfriede Jelinek ist die erste Österreicherin, die den Nobelpreis für Literatur erhält. Nicht nur in ihrer Heimat Österreich wurde sie jahrelang abgelehnt und beschimpft. Sie wurde unter anderem als "Rote Pornografin" bezeichnet. Jetzt bekommt die Schriftstellerin Elfriede Jelinek die höchste aller Ehrungen- Den Literatur-Nobelpreis der mit 1,1 Mio. Euro dotiert ist.
Neun Romane und über 15 Theaterstücke schrieb Jelinek bisher und die meisten behandelten inhaltlich Gewalt und Sexualität. "Sex ist Gewalt- zumindest für Frauen" war ihr Credo, dass die radikale Feministin oftmals in Kritik brachte.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki äußerte sich nach der Bekanntgabe der Entscheidung durch das Nobelpreis-Komitee: "Meine Bewunderung für Jelineks Werk hält sich in Grenzen. Meine Sympathie für ihren Mut, ihre Radikalität, ihre Entschlossenheit und ihre Wut ist enorm."
In ihrem berühmten Roman "Die Klavierspielerin" von 1983 wird die sexuell gestörte Musiklehrerin von ihrem jungen Liebhaber zusammengeschlagen und vergewaltigt (2001 verfilmt). Dieses Buch ist durchaus als biografisch anzusehen.
Auch in ihrem berühmten Roman "Lust" von 1989 wird die Hauptdarstellerin
von ihrem Ehemann und Geliebten missbraucht. Voller Hass ermordet sie schließlich ihren eigenen Sohn. Er wurde das Sinnbild ihres Mannes, dass es zu zerstören galt.
"Ich wollte einen weiblichen Porno schreiben, eine weibliche Sprache für das Obszöne finden. Aber im Schreiben hat der Text mich zerstört", sagt die Schriftstellerin über das Werk.
Elfriede Jelinek wuchs in Wien auf, als Tochter eines nervenkranken Wissenschaftlers und einer Mutter, die sie selbst als "dämonisch" bezeichnet. Ihre unglückliche Kindheit führte bereits mit 7 Jahren zu einem ersten Besuch beim Psychiater.
"Ich bin schon ziemlich neurotisch", sagt sie später, "mein Hirn ist seltsam, es speichert nur die negativen Dinge. Es ist mit Hass getränkt."
Es ist wohl auch dieser Hass, der ihr Schreiben bestimmt.
Sie habe zu schreiben begonnen, um der Bevormundung ihrer Mutter zu entkommen, erklärte sie einmal.
Immer wieder prangerte Jelinek die Intoleranz und den Umgang mit der eigenen Geschichte in ihrer Heimat an. Aus diesem Grund verhängte sie zweimal für ihre Werke ein Aufführungsverbot in Österreich, dass sie erst 2002 aufhob. 1974 tritt sie der kommunistischen Partei bei, heiratet im selben Jahr Gottfried Hüngsberg.
Schon in den frühen Werken zeigte sie mit gewaltiger Stimme die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft und in den Familien auf. Sie war und ist radikale Feministin, die ihre Fähigkeiten gezielt einsetzt um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.
In ihren Stücken beschreibt sie auch sadomasochistische Praktiken und wurde dafür als Pornografin kritisiert.
Umso erstaunlicher, dass sie nun den Nobelpreis erhielt.



