Die Schriftstellerin Kay Dark hat im März ihren ersten Kurzgeschichtenband veröffentlicht. Wir wollen Euch die Frau dahinter näher vorstellen und haben ihr ein paar Fragen gestellt.
Das Interview
Kay Dark, du schreibst unter Pseudonym, warum?
Meine schriftstellerische Arbeit umfasst ein ziemlich breites Spektrum.
Angefangen von lyrischen Texten über Kurzprosa und Romane bis hin zum illustrierten Kinderbuch, an dem ich gemeinsam mit einem Freund arbeite.
Den erotischen Geschichten messe ich einen ganz besonderen Stellenwert bei, da sie auf einer völlig anderen Ebene angesiedelt sind.
Darüber hinaus erschien mir der Klang meines richtigen Namens für diese Art von Literatur zu brav, zu sanft. Also suchte ich nach einem starken Namen.
So wurde Kay Dark geboren.
Gibt es Vorbilder für dich?
Nein. Es gibt zweifellos viele bewundernswerte Menschen. Ganz gleich, ob es sich hierbei um Künstler, Lebenskünstler oder beides in Einem handelt, es gibt immer etwas zu lernen.
Doch das Wort "Vorbild" hat für mich einen schalen Beigeschmack von Personenkult und Nachahmung.
Solche "Vorbilder" sind gut für Inspirationen. Doch jeder Schuster sollte bei seinen Leisten bleiben, ehrlich mit sich selbst sein und seine eigenen Qualitäten erkennen und umsetzen können.
Du hast gerade dein Erstlingswerk "Grenzgänger" veröffentlicht. Um was geht es in diesem Buch?
Wie dem Buchtitel bereits zu entnehmen ist, handelt es sich bei meinen Protagonisten um Grenzgänger.
Das heißt, ihre sexuellen Träume und Wünsche - nicht alle zielen auf SM - bewegen sich außerhalb einer festgelegten Norm.
"Norm" ist ein relativer Begriff. Ein falscher Begriff, der, von einer Mehrheit Gleichgesinnter innerhalb der Gesellschaft festgelegt wird und für die Allgemeinheit gelten soll.
Eine trügerische Sache. Wie viele unerkannte Abweichler gibt es innerhalb der Normgesellschaft? Und befindet sich der bekennende und praktizierende SMler, wenn ich ein Beispiel nennen darf, innerhalb einer Gruppe von Gleichgesinnten etwa nicht in seiner eigenen Norm? Wer also setzt die Maßstäbe?
Nun, meine Hauptfiguren spüren jedenfalls, dass sich ihre sexuellen Wünsche außerhalb der gängigen Gesellschaftsnorm befinden.
Ich beschreibe in zwölf in sich abgeschlossenen Geschichten, verschiedene Möglichkeiten, auf "andere" Weise sexuelle Befriedigung zu erreichen, die jeweilige Neigung zu akzeptieren und zu integrieren.
Die meisten der Suchenden bewegen sich dabei auf sicherem Boden, anderen wird die Sucht zum Verhängnis. Sie überschreiten Grenzen und werden zum Opfer ihrer eigenen Begierde.
Warum schreibst du SM-erotische Geschichten?
Weil es mir Freude macht!
Vielleicht eine etwas lapidare Antwort, dafür eine Ehrliche.
Auch ich hatte, bevor ich mich eingehend mit dem Thema SM beschäftigte, ein zwar vorurteilsfreies, jedoch etwas oberflächlich begrenztes Bild vom Sadomasochismus.
So richtig konnte ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich freiwillig schlagen oder auf eine andere Weise quälen lassen. Mir sagte eher die starke Dominanz und die Fetish-Kleidung bestimmter, die Peitsche schwingender Damen, zu!
In der Wirklichkeit bot sich mir ein ganz anderes Bild. Einmal und nicht nur zum Recherchieren in die Szene eingetaucht, machte ich die Erfahrung, dass SM eine abwechslungsreiche und vielschichtige Variante bewusst gelebter Sexualität darstellt. Immer unter dem Aspekt der Ästhetik und des gegenseitigen Respekts, auf beides lege ich großen Wert.
Warum also sollte ich diese Faszination nicht mit meinen Lesern teilen?
Was fühlst du, wenn du schreibst?
Zunächst einmal große Neugierde. Denn einmal mit einer Geschichte begonnen, weiß ich noch nicht genau, wie sie weiter verläuft. Irgendwann erreiche ich den Punkt, an dem sie sich gewissermaßen von alleine schreibt.
Dann habe ich das Gefühl, mich auf sicherem Boden zu bewegen.
Ich glaube, ich war vierzehn, als ich meine ersten erotischen Texte schrieb. Damals wurden sie im Internat einer Klosterschule, die ich besuchte, heimlich von Schülerin zu Schülerin weiter gereicht. Die Angst, entdeckt zu werden immerhin tat ich etwas Verbotenes -, spielte dabei eine wichtige Rolle, verlieh der ganzen Sache einen zusätzlichen Kick.
Noch heute empfinde ich ein leichtes Kribbeln beim Schreiben erotischer Texte. Ein angenehmes Kribbeln
Was macht Kay Dark, wenn sie nicht schreibt?
Eine Frage, die ich nur knapp beantworten möchte, weil mir daran liegt, mein Pseudonym zu wahren.
Also, halte ich es so allgemein wie möglich:
Ich lese viel, liebe viel und bewege mich gerne im Kreis netter Menschen.
Hast du dich in "Grenzgänger" auch selbst beschrieben? bzw. sind es reale Erfahrungen?
Während meiner Oberschulzeit stand Porträtzeichnen auf dem Plan für bildende Kunst. Es war interessant, zu beobachten, dass zwanzig Schüler das gleiche Modell gezeichnet hatten, jede Zeichnung jedoch unverwechselbare Gesichtsmerkmale des jeweiligen Zeichners trug.
So ähnlich ist es wohl auch in der Schriftstellerei.
Mit Sicherheit enthalten meine Fantasiefiguren die eine oder andere meiner Charaktereigenschaften. Schließlich habe ich sie erschaffen!
Doch ich glaube, mir ist es gelungen, die Eigenschaften geschickt auf mehrere Personen zu verteilen, ohne dass eine von ihnen mir im Ganzen gleicht.
Auch eigene Erfahrungen fließen selbstverständlich in die Geschichten mit ein. Doch um ALLES erlebt haben zu können, hätte ein Leben kaum ausgereicht. Zudem gibt es auch Gestalten, deren Tun sich hart am Rande der Legalität befindet. Und eben den einen, bereits erwähnten, der die Grenzen überschreitet und zum Opfer seiner eigenen Begierde wird. So weit bin ich noch nicht gegangen und habe auch nicht vor, dies zu tun.
Was ist deine größte Schwäche?
Dazu fällt mir zuerst meine Vertrauensseligkeit ein. Obwohl ich hart daran arbeite, mit Zuhilfenahme meiner Menschenkenntnis die Spreu vom Weizen zu trennen, falle ich immer wieder mal auf Zeitgenossen herein, die meine offene Art ausnutzen. Das bringt zuweilen Ärger und Enttäuschung ein.
Was ist deine Stärke?
Zu meinen größten Stärken zählt wohl, dass ich in der Lage bin, Menschen bezaubern zu können.
Betrete ich einen Raum mit völlig mies gelaunten Zeitgenossen, so gelingt es mir innerhalb kürzester Zeit, die Stimmung ins Gegenteil zu wandeln. Vielleicht liegt das an der positiven Ausstrahlung.
An was arbeitest du gerade?
Als Kay Dark arbeite ich selbstverständlich an einem weiteren erotischen Buch. In diesem frechen, frivolen Roman mit dem Titel "Jägerinnen" stehen verschiedene Varianten des SM im Vordergrund.
Unter meinem richtigen Namen arbeite ich parallel dazu an einigen schriftstellerischen Projekten.
Wenn du einen Wunsch frei hättest?
...würde ich mir wünschen, VIELE Wünsche frei zu haben. Und diese Wünsche würde ich sehr bewusst und vorsichtig äußern, in Anbetracht dessen, dass sie tatsächlich in Erfüllung gehen können.
Wirst du dein Pseudonym einmal lüften?
In meinem näheren Umfeld ist meine Identität bekannt. Doch dabei will ich es auch belassen. Außerhalb dieses Schutzraumes möchte ich unerkannt bleiben.
Doch sollte Kay Dark einmal zu Ruhm und Ehren gelangen, dürfte es schwierig werden, das Geheimnis um ihre wahre Identität zu wahren. Warten wir`s ab
Vielen Dank für das Interview
Anmerkung: Das Buch "Grenzgänger" gibt es in unserem SHOP



