In Kürze erscheint der neue Bildband H.E.L.P. [Help:Enters:Life:Permanently] von Thomas van de Scheck. Thomas gab uns vorab die Möglichkeit einen kurzen Blick auf sein Werk zu werfen und gab uns zudem ein Interview
Das Interview
Wer steckt hinter TVDS?
Als Person bleibe ich lieber im Hintergrund. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Hinter TVDS steckt ein Workaholic, der meist sieben Tage die Woche 12-14 Stunden arbeitet, keine Wochenenden oder Feiertage kennt und seit sechs Jahren keinen Urlaub mehr gemacht hat. Hinter TVDS steckt ein Künstler, der vor einigen Jahren erkannte, dass er eine Message zu transportieren hat und beschloss, dafür und davon leben zu wollen. TVDS ist jemand, der bereit ist, für seine Kunst eine Vielzahl an Opfern zu bringen, immer wieder mal seine Miete nicht zahlen konnte und nicht wusste , womit er seinen Kühlschrank füllen soll. Andererseits ist TVDS schon immer jemand gewesen, der an Schicksal glaubt und ein unendliches Urvertrauen besitzt, dass er immer das bekommen wird, was er für den Moment am dringendsten braucht. Mit anderen Worten ... TVDS ist ein ganz normaler Mensch mit ganz normalen Bedürfnissen, der sich nur dreisterweise das Recht rausgenommen hat, so leben zu wollen, wie er es für richtig hält und es, seiner Ansicht nach, jedem Menschen eigentlich zusteht. Trotzdem ist TVDS kein Weltverbesserer, sondern ein Visionär, der durch dokumentieren handelt.
Deine Bilder haben alle einen weißen Hintergrund. Warum?
Zum ersten ist es natürlich ein stilistisches Mittel, welches meine Fotos freundlicher wirken lässt und die Chance in sich birgt, dass man sich die Bilder länger anschaut als man es vielleicht tun würde, wenn sie auch noch dunkel und düster wären. Finster sind die Thematiken oft genug. Man muss den Betrachter nicht noch unnötig mehr konfrontieren, als ich es sowieso schon mache. Zum anderen bewirkt der weiße Hintergrund natürlich, dass das Motiv komplett für sich alleine steht und so die Aussage besser zum tragen kommen kann. Es gibt einfach nichts mehr, was vom eigentlichen Motiv ablenken könnte und dadurch viel Spielraum für Interpretationen zulässt.
Deine Bilder sind teilweise sehr krass. Was willst Du damit bewirken?
Ich möchte mit meinen Fotos Dinge ansprechen, vor denen die Gesellschaft, bzw. der Mensch im allgemeinen gerne die Augen verschließt und die er gerne verneint; die meiner Ansicht nach jedoch diskutiert gehören, um durch Auseinandersetzung mit sich selbst zu einer Veränderung des Bewusstseins zu führen. Meine ‚Opfer’ sind weder auffällig, noch torkeln sie durch irgendwelche Gassen oder liegen in Hausecken. Man kann ihnen also keine direkte Hilfe anbieten. Eher sind sie sehr sensibel, schaffen es aber nicht, in ihrem Umfeld wirklich gehört zu werden oder mit ihren Bedürfnissen auf sich aufmerksam zu machen, so dass sie damit beginnen, ihre Probleme mit sich selbst zu regeln. Und das kann zu Auswüchsen führen, die weh tun und für einen Außenstehenden nicht mehr nachvollziehbar sind. Meine Bilder sollen den Betrachter sensibilisieren, um ihn toleranter zu machen und im besten Fall dort hinzugucken, wo er vielleicht selber eine Mitschuld tragen könnte, dass die Gesellschaft zunehmend immer mehr innerlich verroht.
Sind die Bilder gestellt bzw. mit einer Bildbearbeitung gemacht oder echt?. Ich denke da gerade an das Foto mit der Nähnadel, die die Arme der Frau zusammennäht.
Bildbearbeitung spielt in meinen Aufnahmen eine sehr große Rolle. Hauptsächlich jedoch nur, um den Fotos den speziellen Stil zu verpassen, den man von mir kennt. Ab und zu kommt es aber vor, dass ich Dinge montieren muss, um einem Bild zur entsprechenden Aussage zu verhelfen. Die Aufnahme mit den zusammengenähten Armen allerdings ist eine große Ausnahme und echt. Da habe ich nichts manipuliert. Und dass ich so ein Bild überhaupt zugelassen habe, lag daran, dass ich das Modell recht gut kenne und wir ewig lange Vorgespräche geführt haben, um die Risiken einer solchen Handlung auszuloten. Darüber hinaus musste ich die Beweggründe verstehen, welche die Antriebsfeder für ein solches Motivs sind.
Wo findest Du Deine Ideen und Modelle?
Hauptsächlich finden meine Modelle inzwischen mich. Ich habe leider kaum noch die Zeit, im Internet oder sonst wo auf Modellsuche zu gehen. Wenn jedoch ein Auftrag dahintersteht, dann informiere ich mich schon darüber, wer speziell für bestimmte Bilder in Frage kommen könnte. Ansonsten erarbeiten das Modell und ich gemeinsam die Ideen zu einem Foto, da mir Authentizität innerhalb eines Motivs sehr wichtig ist und ich keinem Modell Thematiken aufs Auge drücken möchte, mit denen sie sich nicht identifizieren kann.
Welches Foto ist dein Lieblingsbild?
Das wechselt ständig. Früher war es mal ‚Broken piece of fortune“, welches in CUTS zu finden ist und mein erstes Selbstverletzungsbild überhaupt war. Dieses Bild ist auch Schuld daran, dass sich dieses Thema danach anfing, zu verselbstständigen und meine Arbeiten heute da stehen, wo sie sind. Oft ist es jedoch so, dass mir die Bilder am besten gefallen, die ich gerade aktuell gemacht habe. Wenn es jedoch um meine All-Time-Favourites geht, dann sind das wohl Arbeiten, wie ‚You’ll never know me’‚ Tailor-Maid’ und ‚The Break’ aus H.E.L.P. [Help:Enters:Life:Permanently].
Welches Foto wäre denn dein absoluter Traum?
Das Foto, welches allgemein so aufrüttelnd ist, dass die Menschheit spontan kollektiv beschließt, sich an den Händen zu fassen, gemeinsam zu tanzen und zukünftig einander mehr zuzuhören. Wie das Bild aussehen könnte, weiß ich aber leider auch noch nicht ... ich arbeite daran, versprochen!
Mit welchem Model würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?
Sind Diamanda Galás und Tom Waits Modelle? Wenn ja, dann wirklich gerne mit den beiden!
Wen würdest Du nie fotografieren?
Den Rosenmontagszug, der einmal im Jahr quasi bei mir am Fenster vorbeiführt.
Was würdest Du nie fotografieren?
Echtes Leid aus reinem Voyeurismus heraus und realistische Gewalt gegen den Willen betroffener Personen.
Kann man Deine Werke auch mal real bewundern?
Auf jeden Fall, zumal ich mich zukünftig mehr darum kümmern möchte, gutriechende Galerien zu finden, in denen meine Arbeiten angemessen präsentiert werden können. Ein Anfang für 2006 wird auf jeden Fall schon mal die ‚Art Bizarre’ im Rahmen der Fetish Evolution in Essen und die Art Zone auf dem German Fetish Fair in Berlin sein. Alles weitere wird derzeitig noch verhandelt.
Was kommt als nächstes?
Hm, das ist eigentlich noch ein Geheimnis, nur soviel schon vorab ... es wird in der Tat ein paar Veränderungen geben, stilistisch und konzeptionell, und dann arbeite ich an einem neuen Buch, welches überraschend anders sein wird, als das, was man von mir kennt. Wenn alles gut geht, dann wird es bereits im nächsten Jahr erhältlich sein. Ansonsten gilt aber jetzt erst mal, den ausländischen Markt zunehmend mehr glücklich zu machen.
Wenn Du 3 Wünsche hättest...
... dann würde ich mir als erstes das Abschaffen jeglicher Form von Religion wünschen, da sie verantwortlich ist für die meisten gewaltsamen Tode und unsagbaren Unterdrückungen in den letzten 2000 Jahren. Als zweites wünsche ich mir, dass Neid und Missgunst der Vergangenheit angehören und jeder Mensch die Möglichkeit hat, frei von sozialem und gesellschaftlichem Druck, sein Leben so zu leben, wie er es gerne möchte, um sich selbst zu verwirklichen. Und als drittes wäre es schön, Hurricane Katrina ungeschehen zu machen, damit New Orleans zum alten Flair zurückfinden kann, damit für mich diese Stadt als Altersresidenz wieder attraktiv wird.
Vielen Dank für das Interview
Biografie
Der deutsche Fotograf wurde 1965 in Kairo geboren.
In Fulda lebended arbeitete er als Redakteur und Autor, war Bassist der Band "Cancer Barrack", Produzent und Galerist. Veröffentlichungen gab es unter anderem in den Zeitschriften Schlagzeilen, Skin Two, Marquis, Pirate-Magazine, RTL.de, Gothic-Magazine, Orkus, Sonic-Seducer, Savage-Magazine, Secret, Dark Spy, Adam und dem Tätowier Magazin.
Thomas van de Schecks erster Bildband "CUTS" wurde vom "Börsenverein des deutschen Buchhandels" im Rahmen des "Deutschen Fotobuchpreis 2004" zum "Auswahltitel" gekürt. Im März 2006 veröffentlicht Thomas van de Scheck seinen neuen Bildband "H.E.L.P. Hell:Enters:Life:Permanently]" im Ubooks-Verlag.
Veröffentlichungen:
Bücher:
Mein heimliches Auge "Das Jahrbuch der Erotik XVIII" - Konkursbuchverlag
CUTS - art-manufaktur (Mit Vorwörtern von u.a. Martin Sprissler und Matthias
T.J. Grimme)
The Living Szene - DarkMedia
H.E.L.P. [Hell:Enters:Life:Permanently] - Ubooks (Veröffentlichung März 2006)
CD's:
Cancer Barrack
B-Dominus - Land of Milk & Honey
Bonifatius - Das Musical
Zahlreiche CD-Cover für verschiedene Bands und Compilations
Kalender:
Sonic Seducer 2005
Gothic Magazine 2006
Thomas van de Scheck Kalender 2007 (Ubooks)
Kontakt: www.tvds.de
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