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„Wach auf !“ Eine Stimme zerschneidet meinen Traum. Seine. Die einzige, die mich beim ersten Ansprechen wach bekommt. Brötchen will er und frischen Café. Emotionslos sagt er das, weder freundlich noch unfreundlich. Nicht sonderlich dominant – wozu auch.
Mit steifen Gliedern wälze ich mich so gut es eben geht aus dem Bett und humpele in die Küche. Ein Blick zum Fenster sagt mir, daß es mitten in der Nacht sein muß. Die Augen sind noch nicht bereit, die Wanduhr mehr als verschwommen wahrzunehmen. Automatisiertes Handeln in der Küche – Wasserkocher füllen, anschalten. Thermoskanne mit Filter versehen, Filtertüte rein. Kaffeepulver abmessen – stopp, zuviel. Er mag ihn nicht so stark wie ich. Gedankenfetzen während das Wasser langsam erhitzt wird: Hat er denn gar kein Mitleid ? Nein, denn du hast es so gewollt. Einen gewollt, der selbstverständlich verfährt. Egal wann, egal womit, egal aus welchem Grund. Nun hast Du ihn, also frag nicht. Nun hat er Dich, also liebe ihn.

Die Zunge klebt mir am Gaumen. Ich betrachte ihn, wie er da sitzt. Mich schon lange nicht mehr bewußt wahrnimmt; tief versunken in die Arbeit. Nein, stören tue ich wohl nicht, sonst hätte er sich nicht die Mühe gemacht, mich zu wecken. Ich glaube, er mag das unaufdringliche Wirken einer Frau im Hintergrund. Kann er doch davon ausgehen, daß sie sich Mühe gibt, ihn zufriedenzustellen; ihn wenn möglich lächeln zu sehen, einen kurzen freundlichen Blick, eine flüchtige Berührung zu ernten.
Brötchen hervorkramen, aufschneiden. Salzige, dänische Butter darauf. Nicht zu dick, nicht zu dünn. Zwischendrin immer wieder Kaffee aufbrühen. Ich mag den Geruch von Kaffeepulver; ich mag das Geräusch vom tröpfelnden Kaffee. Selbst wenn ich dieses Mal keinen trinken werde. Mitten in der Nacht dann doch mal nicht.
Ich bewege mich ungeschickt, das merke ich. Bin völlig verschlafen; Verstand und Motorik taugen nicht viel. Meine Zunge ist immer noch dick und unförmig, als hätte ich eine Lokalanästhesie beim Zahnarzt bekommen. „Alle mit Leberwurst ?“, frage ich ihn krächzend, den Rücken ihm zugewandt.
Ein unbestimmtes „Hmm“ ist die Antwort. Ich brauche ihn nicht ansehen, um zu wissen, daß er nicht aufsieht, daß er seinen Konzentrationsschutz nicht herunterfahren will, daß es gerade für ein „Hmm“ reicht, ohne sich stören zu lassen. Also entscheide ich für „überwiegend Leberwurst“, die restlichen Brötchenhälften mit anderen Dingen, die er mag. Nur keine Experimente.

Etwas klappernd, weil ungeschickt, balanciere ich den Brötchenteller und die Tasse neben seinen Arbeitsplatz. Bloß nichts durcheinanderbringen, sonst wird er tobsüchtig. So ganz werde ich das System nie begreifen. Er sagt, das läge daran, daß ich letztlich doch nur eine Frau bin. Mit merkwürdigem Ordnungssinn. Ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigend, wo nur Funktionalität zählt. Ästhetik, ja, die schätzt er. An Körper und Geist. In Worten und Tönen. Aber sicher nicht, wenn sie als provokante Hinderungsmaßnahme auf den Tisch kommt. Hinterhältig, wie Frauen das mit wenigen Handgriffen so machen. Während ich also nun die Tasse fülle und sich dieser Dialog nur in meinem Kopf abspielt, greift er -ohne mehr als eine Millisekunde hinzusehen- nach einem Brötchen. Kauend ein gemurmeltes Danke. Das ist freundlich und mehr ist nicht zu erwarten.
Ich sehe ihm unentschlossen einige Sekunden beim Kauen zu. Werfe mir ein Kissen auf den Boden und knie mich neben seinen Stuhl. Den Rücken dem Tisch abgewandt – er mag es nicht, wenn man ihm auf die Hände starrt, wenn er arbeitet. Zünde mir eine Zigarette an und lehne meinen Kopf an seinen Oberschenkel. Sacht, unaufdringlich. Zumindest hoffe ich das.
Sauge mit dem Mund an meiner Zigarette und mit dem Körper seine Nähe ein. Atme langsam den Rauch aus und lasse seine Wärme durch mich hindurchfließen.
Ruhe kehrt ein. Ein Stilleben. Seltsames Paar, würde ein Betrachter vielleicht denken. Nicht sehen, was ihn mit ihr verbindet. Nur ahnen, was sie an ihn bindet.
Seine Hand kurz auf meinem Kopf, ein bißchen meine Haare wegstreichend. Mehr davon wünsche ich mir, verstehe aber, daß das eben nicht geht. Jetzt nicht. Und sowieso nicht. Schlucke einen Brocken Sehnsucht herunter und drücke meine Zigarette aus. Mühsam stehe ich auf, leicht torkelnd, immer noch müde. Ich gebe ihm sacht einen Kuß in den Nacken und krieche wieder ins Bett. Worte wären jetzt nicht angebracht. Er wird mich wahrscheinlich in wenigen Stunden wecken. Dann wenn er mir noch etwas erzählen will. Dann wenn er seinen Schwanz von meinem Mund liebkost haben möchte. Wenn er da liegt und schweigend genießt. Dann, wenn ich schweigend genießen darf. Wärme, Nähe, Sehnsucht nach. Frag nicht – liebe ihn dafür.

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