„...ok, dann werde ich dich am Donnerstag besuchen.
Will doch mal sehen, wie du wohnst. Und du wirst mich nackt empfangen...“
Mein Gehirn dreht sich wie eine Mühle. Schwebender Zustand der Unkonkretheit.
Es könnte dieses oder jenes passieren, was nur?
Meine Wohnung ist klein, jede Ecke vollgestopft , nein, nicht mit diesem unnötigen Ramsch, einfach aufgrund der Tatsache mein kreativ verrücktes Leben auf 24 qm zu führen.
Den Staub kann ich vorher wischen. Gut. Die Schuhe mit den höchsten Absätzen sind im Auto. Soll ich sie reinholen? Um nicht in die Verlegenheit zu kommen sie ggf. nackt holen zu müssen, wenn du möchtest, dass ich sie trage? Oder wenn ich mir ein wenig überziehen dürfte, so dass man gerade noch sieht dass ich DARUNTER nackt bin? Was würde ich wählen? Was gefällt dir? Was wirst du mit mir tun?
Schreien kann ich hier nicht. Die Nachbarn...Babbeln geht natürlich, aber das ist nicht erlaubt (vermute ich, dein Besuch soll ja voraussichtlich die Abreibung für meine Babbelei während unserer letzten Session beinhalten) - oder möchtest du nur mal so zum Spaß meine Wohnung sehen? Das glaube ich kaum. Wenn man hier mit einer Peitsche richtig ausholt räumt man zuerst das Regal an der gegenüberliegenden Wand ab, danach würde die Hängelampe aus Glas dran glauben müssen.
Einzimmerwohnung, das heißt im Zweifelsfall gibt es keine Privatsphäre, kein abschließbares Schlafzimmer, das ich einem Besucher vorenthalten kann, alles ist offenbar nur der Keller böte Rettung. All meine Bücher, meine Bilder, meine kleinen und großen unentdeckten Peinlichkeiten könnten entdeckt werden oder unschuldige Dinge zu solchen gemacht werden. Und erst der vielleicht doch vergessene Staub in einer Ecke. Wäre es nicht die größte Folter, nackt unter deinen Augen nicht FÜR dich zu putzen sondern den eigenen Schmutz beseitigen zu müssen?
...Du entgleitet meinem Geist. Ständig versucht er auf dich scharf zu stellen, Jedesmal misslingt der Versuch zu ergründen was du vorhaben könntest, driftet das Bild von einer Unschärfe in die nächste, kommt nicht zur Ruhe, hält nicht still. Ich hasse es und ich liebe es gleichermaßen....
Wirst du viel mitbringen? Oder gar nichts? Dich meiner bescheidenen oder ungewöhnlich gewöhnlichen Dinge bedienen? Eine Kerze auf dem Tisch - könnte gefählich sein. Wäscheklammern? In jedem Haushalt zu finden. Das Messer im Besteckkasten? Der Rasierer im Bad? Ein Kleiderschrank voller Dinge mit denen man kunstvoll verschnürt werden könnte? Der Pfannenwender der sicher fein auf dem Arsch klatschen würde - ebenso der Tortenheber – der liegt gleich daneben! Den Kochlöffelstiel in den Po gesteckt? Langsam glaube ich meine Wohnung ist gefährlicher als jedes Dominastudio.
Man stelle sich außerdem das Bild vor, man bekäme Besuch und alles was dieser mitbringt wäre ein offen getragener Rohrstock, gelassen geschwungen, kein Wässerchen trübend.
Einem zufälligen Beobachter aus der Nachbarschaft würde er nicht mal auffallen oder wäre schlicht und einfach bedeutungslos.
Nein, ich dreh jetzt nicht durch, ich habe 3 verschiedene Sorten Schokobonbons besorgt um dich wohl zu stimmen, eine Auswahl an Getränke eingekauft und harre der Dinge, die ich nicht abwenden kann und nicht abwenden will und falls ich bis dahin nicht schlafen kann zähle ich die Schafe bevor der böse Wolf sie frisst.
Anna S


